24.02.2012

Denkmalpflege und BMVBS stellen neues Fördersegment "Effizienzhaus Denkmal" der KfW und den "Energieberater für Baudenkmale" vor

Informationen für die Presse
24. Februar 2012

Die KfW-Bankengruppe (KfW) führt zum 1. April 2012 im Rahmen des vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung finanzierten Förderprogramms „Energieeffizient Sanieren“ ein neues Fördersegment „Effizienzhaus Denkmal“ ein. In Zusammenarbeit mit der bundesdeutschen Denkmalpflege wurden spezielle Förderbedingungen entwickelt für die energetische Instandsetzung von Baudenkmalen und sonstiger besonders erhaltenswerter Bausubstanz im Sinne des § 24 der EnEV 2009.

Die neuen Förderbedingungen sollen die energetische Sanierung von erhaltenswerter historischer Bausubstanz ermöglichen bei Erhalt des baukulturellen Wertes der Gebäude. Damit soll es künftig Eigentümern von Kulturdenkmalen erleichtert werden, KfW-Fördermittel für ihr Sanierungsvorhaben in Anspruch zu nehmen.

Das neue KfW Fördersegment „Effizienzhaus Denkmal“ setzt wesentlich auf die Qualitätssicherung durch eine qualifizierte Planung und Baubegleitung. Ziel ist es, „den Druck von der Fassade zu nehmen“. Die Förderung stellt daher auf den Primärenergiebedarf ab, der im Regelfall einen Zielwert von 160% erreichen sollte und in der Förderstufe dem KfW-Effizienzhaus 115 entsprechen wird. Die Qualität der baulichen Hülle von Baudenkmalen und ausgewiesener sonstiger erhaltenswerter Bausubstanz wird, abweichend von den üblichen Förderbedingungen, nicht mit einem Anforderungswert an den mittleren Wärmedurchgang belegt. Im Rahmen einer verpflichtenden qualifizierten Planung durch einen sachverständigen „Energieberater für Baudenkmale“ ist vielmehr zu prüfen, welche energetischen Sanierungsmaßnahmen sinnvoll, mit der Wahrung des Erscheinungsbildes von Baudenkmalen und erhaltenswerten Gebäuden vereinbar und somit als Bedingung für die Förderung durchzuführen sind.

Dieses Vorgehen ermöglicht eine Einzelfallbetrachtung, eine Eingriffsbewertung und eine Berücksichtigung der spezifischen Zeugniswerte von Kulturdenkmälern über die bisherige Bewertung nach technischen und bauphysikalischen Kriterien hinaus. Insgesamt wird das KfW-Förderspektrum auf ein sinnvolles, denkmalverträgliches und damit optimiertes Maß der energetischen Effizienzsteigerung für Kulturdenkmäler und sonstige erhaltenswerte Bausubstanz erweitert.

Qualitätssicherung durch Planung und Baubegleitung –
Energieberater für Baudenkmale


Die hohen Anforderungen einer Sanierung von historischem Baubestand sind nur mit der Etablierung einer qualifizierten Beratungsleistung zu realisieren. Beratung, Planung und Baubegleitung im neuen Fördersegment „Effizienzhaus Denkmal“ werden daher verbindlich an einen „Energieberater für Baudenkmale“ gekoppelt mit dem Ziel einer verbesserten Prozesssteuerung und nachhaltigen Wirkung der Maßnahmen. Die bisher durch die Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena) erfolgte Überprüfung der Anträge betreffend Baudenkmale und sonstige erhaltenswerte Bausubstanz wird ersetzt.

Für das „KfW-Effizienzhaus Denkmal“ und die weiteren Fördermöglichkeiten für Baudenkmale (Durchführung von Einzelmaßnahmen an Baudenkmalen, Umwidmung von Baudenkmalen oder besonders erhaltenswerter Bausubstanz zu Wohnraum) sind als Sachverständige ausschließlich qualifizierte „Energieberater im Denkmal“ zugelassen, die auf einer für die KfW-Programme eingeführten Expertenliste unter dem link www.energie-effizienz-experten.de zu finden sind. Die Liste ist momentan im Aufbau. Sie wird geführt durch eine Koordinierungsstelle, vertreten durch WTA und VdL, die eine unabhängige Beurteilung und denkmalgerechte, fachliche Einschätzung der Energieberatung bei Baudenkmalen sowie sonstiger besonders erhaltenswerter Bausubstanz garantieren. Die Koordinierungsstelle wird mit der Anerkennung der Fortbildungskurse und der tätigen Energieberater für Baudenkmale einen elementaren Baustein der Qualitätssicherung der KfW-Förderung bilden.

Zur Einführung des neuen KfW-Förderangebots für Baudenkmale und besonders erhaltenswerte Bausubstanz zum 1. April 2012 soll eine Erstliste der für die Bera-tung, Planung und Baubegleitung qualifizierten Energieberater veröffentlicht werden. Architekten und Bauingenieure, die bereits heute über entsprechende Erfahrung im Bereich der energetischen Sanierung von Baudenkmalen und sonstiger erhaltenswerter Bausubstanz verfügen, können sich über die Koordinierungsstelle in die Erstliste eintragen. Hierzu sind die folgenden Qualifikationen erforderlich:

  • Ausbildungsnachweis (Architektur, Bauingenieurwesen, TGA oder Bauphysik).
  • Abgeschlossene Weiterbildung als Energieberater (BAFA-Berater-Nummer oder Erfüllung der Qualifizierung gemäß BAFA-Richtlinie „Vor-Ort-Beratung“); alternativ: Studium mit entsprechend anerkanntem Schwerpunktbereich.
  • Erklärung der Ausstellungsberechtigung nach § 21 EnEV (nur für Wohnge-bäude oder für Wohn- und Nichtwohngebäude).
  • Erklärung zur Unabhängigkeit.
  • Erfahrung der Energieberatung bei Gebäuden gemäß § 24 EnEV über eine Referenzliste und mindestens drei Projektdatenblätter aus den letzten drei Jahren.

Informationen zur Eintragung in die Erstliste finden Sie unter www.energieberater-denkmal.de.
 

Fortbildungsmodul „Energieberater für Baudenkmale“

Die Erstliste der Energieberater für Baudenkmale wird nur für einen Übergangszeit-raum Gültigkeit haben. Ab dem 01. Januar 2013 wird die Aufnahme in die Lister der Energieberater für Baudenkmale an den Nachweis einer erfolgreichen Fortbildung zum „Energieberater für Baudenkmale“ gekoppelt werden. Dieses Fortbildungsmodul wurde auf Initiative des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz durch einen Expertenkreis entwickelt. Es soll von einschlägigen Fortbildungsakademien angeboten werden. Ihr denkmalpflegerisches und bauphysikalisch/bautechnisches Wissen haben folgende Institutionen in das Fortbildungsmodul eingebracht:

  • Bayerische Ingenieurkammer-Bau (Arbeitskreis Denkmalpflege und Bauen im Bestand)
  • Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)
  • Deutsches Nationalkomitee für Denkmalschutz (DNK)
  • Fraunhofer Institut für Bauphysik (IBP) (Europäisches Kompetenzzentrum für energetische Altbausanierung und Denkmalpflege in Benediktbeuern)
  • Vereinigung der Landesdenkmalpfleger in der Bundesrepublik Deutschland (VdL)
  • Wissenschaftlich-Technische Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege e.V. (WTA)

Zielsetzung des Fortbildungsmoduls ist es, Architekten, Ingenieuren und Bauphysi-kern, die bereits eine Ausbildung als Energieberater absolviert haben, im Bereich denkmalpflegerischer Fragestellungen zu sensibilisieren und ihnen eine qualifizierte und fundierte Schulung anzubieten, um Energieeffizienz und denkmalpflegerische Belange in idealer Weise zu kombinieren. Besonderer Schwerpunkt liegt in der Vermittlung bauphysikalisch und bautechnischer Grenzen und Möglichkeiten energetischer Sanierung im historischen Gebäudebestand. Im Blickpunkt steht dabei stets der historische Baukörper mit seinen ihm eigenen Bedingungen, dem sich die modernen energetischen Sanierungsziele und -maßnahmen anpassen müssen.
Informationen zur Fortbildung „Energieberater für Baudenkmale“ sowie zur Listeneintragung finden Sie auf der Internetseite www.energieberater-denkmal.de.

Pdf-Version der Pressemitteilung

Belegexemplar erbeten an:
Geschäftsstelle des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz
bei dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien
Graurheindorfer Str. 198, 53117 Bonn
Caecilie.flossdorf@bkm.bund.de
Internet: www.dnk.de