Studentenworkshop

Das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz bietet jährlich einen Workshop an, um Studierende der Kunstgeschichte und Architektur mit Aufgaben und Methoden von Denkmalschutz und Denkmalpflege vertraut zu machen. An einem prominenten Fallbeispiel erarbeiten die Studierenden konkrete Lösungsansätze für eine denkmaladäquate Nutzung.

Der Workshop findet jedes Jahr in einem anderen Bundesland statt und wird von Vertretern des dort zuständigen Landesdenkmalamtes sowie einer Hochschule mit der Ausrichtung Denkmalpflege betreut.

Studierende richten ihre Anmeldungen schriftlich mit Lebenslauf und Motivationsschreiben an die Geschäftsstelle des DNK.


frühere Studentenworkshops

06.04.2016

11. Studentenworkshop in Augsburg

GEWONNEN - VERLOREN - UNENTSCHIEDEN?
ZUKUNFTSPERSPEKTIVEN FÜR DAS AUGSBURGER ROSENAU-STADION UND SEIN UMFELD
 
4. - 11. September 2016

Flyer und Ausschreibung


NACHKRIEGSMODERNE IN AUGSBURG
Am Rand des historischen Zentrums von Augsburg liegt, jenseits des Bahnhofs und des Gleisbetts, der Wittelsbacher Park in dem mehrere bedeutende Bauten der Nachkriegsmoderne zu finden sind: die historische Stadt- und Kongresshalle (1972), der Augsburger Hotelturm (1972), die Erhard-Wunderlich-Sporthalle (1964/65) und als ein besonders frühes Beispiel am Rand des Parks das Rosenau-Stadion (1949-51). Es sind Bauten einer Ära, die heute nur langsam eine gesteigerte Wertschätzung erfahren und vielfach in Gefahr sind - nicht nur durch Abbruch, sondern auch durch Eingriffe für neue Nutzungen, Komfortanpassungen, Brandschutz und Energieeffizienz. Besonders schwer haben es die für die Zeit typischen Großbauten: Kostenaufwendigen Erhaltungsmaßnahmen steht die schwierige Suche nach einer passenden Nutzung entgegen.

ROSENAU-STADION UND UMFELD
Ein solch herausfordernder Fall ist das Augsburger Rosenau-Stadion: 1951 eröffnet ist es der frühste Neubau eines Stadions nach dem Zweiten Weltkrieg, war damals auch das größte seiner Art. Eine Besonderheit ist die Einbettung: So liegt es einerseits an prominenter landschaftlicher Lage unmittelbar an der Hangkante der Augsburger Hochterrasse zur Wertach, andererseits auch an dem Ort, an dem der Trümmerschutt aus Augsburg nach dem Krieg abgeladen wurde. Für den Bau des Stadions wurde dieser dann so zusammengeschoben, dass die Trümmerberge die Basis für die Tribünenanlage wurden. Den Westteil des Stadions kennzeichnet eine überdachte Sitztribüne mit einem weit hervorragenden Betondach, im Unterbau sind Umkleide- und Aufenthaltsräume angeordnet. Oberhalb der Hangtribünen liegen die Haupteingangsgebäude, deren schmale Dächer und dünne Stützen und Betonwände noch heute von der großen architektonischen Eleganz der Anlage erzählen.
Im Rosenau-Stadion fanden zahlreiche nationale und internationale Sportwettkämpfe statt (z.B. die Deutsche Leichtathletik-Meisterschaft 1953 oder Vorrundenspiele im Fußball während der Olympischen Spiele 1972), zudem war das Stadion bis 2009 Heimstätte des Fußball-Bundesligavereins FC Augsburg. Noch heute werden die Sportflächen des Stadions für den Leistungssport und entsprechendes Training genutzt. Als öffentlicher Ort vor allem für Großveranstaltungen werden Stadion und Umfeld (wie auch die nahegelegene Erhard-Wunderlich-Sporthalle) nur noch sehr begrenzt wahrgenommen. Es stellt sich die Frage der Zukunftsperspektive, verbunden mit dem Wunsch das Denkmal der jungen Bundesrepublik zu erhalten.

THEMEN UND METHODEN
Das Rosenau-Stadion, die nahgelegene Erhard-Wunderlich-Sporthalle und das weitere Umfeld bieten eine besondere Chance, die mit solch einem Ensemble verbundenen Aufgaben und Fragen der Denkmalpflege - von der Inventarisation über die Bauforschung bis hin zur Entwicklung geeigneter Nutzungskonzepte - interdisziplinär zu bearbeiten.

Themenschwerpunkte des Workshops sind:

  • Vermittlung eines Kulturdenkmals und seines Umfeld
  • Erhaltung und Nutzung von historischen Sportgroßanlagen
  • Strategien zur Einbettung im städtebaulichen und freiräumlichen Kontext
  • Analyse und Bewertung der bauzeitlichen Ausstattung, Strategien für den weiteren Umgang
  • Nötige und erstrebenswerte Maßnahmen zum Substanzerhalt

Im Workshop vermittelte Methoden und Lernziele sind

  • Grundlagenermittlung, restauratorische und bauhistorische Untersuchung, Recherchen zur Bau-, Planungs- und Nutzungsgeschichte
  • Erlernen denkmalpflegerischer Methoden und Handlungsmöglichkeiten
  • Analyse der baulichen Strukturen und erste Überlegungen zur Ertüchtigung vor dem Hintergrund möglicher Nutzungsszenarien
  • Analyse der Gestaltqualität der Freiräume sowie der Möglichkeit von Übergang und Anbindung an den städtebaulichen Kontext
  • Erarbeitung geeigneter Nutzungsmöglichkeiten und -szenarien, Entwicklung von Leitideen und konzeptionellen Typologien
  • Erarbeitung von Vermittlungsstrategien

WORKSHOP
Der Workshop findet vor Ort in Augsburg statt. Unterkunft, Verpflegung und Arbeitsräume werden zur Verfügung gestellt. Jeder Teilnehmer erhält eine Urkunde. Für eine erfolgreiche Teilnahme können von den betreuenden Hochschullehrern drei Credit Points bescheinigt werden. Die Arbeitsergebnisse werden veröffentlicht.

Der Workshop beginnt mit der Begrüßung der Teilnehmer durch die Stadt am Sonntag, 4. September 2016 (Anreise) und endet in einer öffentlichen Abschlussveranstaltung zur Präsentation am Sonntag, 11. September 2016. An diesem Tag findet auch in Augsburg die bundesweite Eröffnungsveranstaltung des Tags des offenen Denkmals statt. Als Teil des Workshops ist ein Besuch der Restaurierungswerkstätten des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege in Thierhaupten geplant.

Betreut wird der 11. Studentenworkshop des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz durch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege und die Hochschule Augsburg, Professur Bauen im Bestand und Baugeschichte, Prof. Dr.-Ing. Bernhard Irmler und weitere Professoren der Fakultät Architektur. Die Stadt Augsburg und das Architekturmuseum Schwaben unterstützen den Workshop.

BEWERBEN!
Bewerben können sich Studierende, die Interesse an Fragen der Denkmalpflege haben und eine Woche miteinander in betreuten Kleingruppen interdisziplinär und praxisbezogen arbeiten möchten. Der Workshop richtet sich vorwiegend an Studierende der Fächer Architektur, Denkmalpflege, Geschichte, Kunstgeschichte, Stadt- und Landschaftsplanung, Bauingenieurwesen so-wie Soziologie.

Die Teilnehmerzahl ist auf 20 Personen beschränkt. Die Kostenbeteiligung für die Studierenden beträgt 100 Euro.

Bitte senden Sie Ihre Bewerbung bis zum 31. Mai 2016 mit einem kurzen Motivationsschreiben und einem Lebenslauf an:

Deutsches Nationalkomitee für Denkmalschutz
bei der Beauftragten der Bundesregierung
für Kultur und Medien (BKM)
Köthener Straße 2, 10963 Berlin
stefanie.wendt@bkm.bund.de
 

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