Aktuelles

08.08.2012

"Hann. Mündener Erklärung"

Anlässlich der Triennale Auftaktveranstaltung in Hann. Münden wurde von den Teilnehmern und Referenten, insbesonderen den Hann. Mündener Kollegen die "Hann. Mündener Erklärung" erarbeitet und abgestimmt:

Hann. Münden - 16. April 2012

Der Anlass

Demografische Entwicklung, wirtschaftliche Globalisierung und Klimawandel sind die großen Herausforderungen, die die Städte und Gemeinden heute bewältigen müssen. Fachwerkstädte mit ihrer historischen Bausubstanz sind davon in besonderer Weise betroffen, insbesondere wenn sie eher strukturschwächeren Regionen angehören. Sie stehen vor außergewöhnlichen Aufgaben, die zur Lösung alle gesellschaftlichen Kräfte benötigen! Die Arbeitsgemeinschaft Deutsche Fachwerkstädte stellt sich dieser Herausforderung mit der Fachwerktriennale 2012.

Der bleibende Wert des baukulturellen Erbes

Das baukulturelle Erbe der Städte ist nicht nur geprägt von der einzigartigen Fülle an Haustypologien, sondern vor allem von dem städtebaulichen Zusammenspiel der Profanbauten untereinander und den jeweiligen Monumenten der städtischen Gemeinschaft. Gibt es in der höfischen Hinterlassenschaft oft vollendetere Architekturzeugnisse, so sind doch die Städte einzig in ihrer Gestaltungsvielfalt der Form, Ausprägung und Entstehungsgeschichte.

Diese Ergebnisse früher kollektiver Planungskultur sind für unsere gesellschaftliche Wirklichkeit von unschätzbarem Wert, der vor allem darin begründet liegt, dass sie uns zeigen, wie individuelle Ziele - nach verbindlichen Regeln umgesetzt - zu Strukturen führen können, die Neues zulassen, ohne die Stadtidentität aufzugeben.

In den Jahrhunderte alten Stadtgrundrissen zeigt sich dies - trotz kontinuierlicher Veränderung und Erneuerung von Gebäuden, als Ergebnis persönlicher Verantwortung der Hausnutzer innerhalb fester Regelwerke der Stadtgesellschaft.

Der aktuelle Kontext

Die Zukunft der Fachwerkstädte stellt eine Herausforderung auf nationaler Ebene dar. Die Initiative zur Fachwerktriennale ist auch deshalb ein Pilotprojekt der Nationalen Stadtentwicklungspolitik. Die Nationale Stadtentwicklungspolitik wurde 2007 als gemeinsame Aktion von Bund, Ländern und Gemeinden gestartet. Leitbild ist die Bewahrung, Stärkung und Weiterentwicklung der gewachsenen, kompakten europäischen Stadt. Es ist das Anliegen, die Ressourcen zu bündeln und in einem abgestimmten Rahmen zu handeln - möglichst kooperativ mit Beiträgen der Stadt, der Wirtschaft und der Zivilgesellschaft.

Die Fachwerktriennale 2012 entwickelt mit den beteiligten Städte ein ganzes Bündel von innovativen Ansätzen. Integratives und kooperatives Handeln ist der Leitgedanke, um die erforderlichen starken Entwicklungsimpulse zu erzeugen - die Fachwerktriennale zeigt, dass das geht.

Die Konsequenz "Weiterbauen"

Die Analyse der baulichen Entwicklung in Hann. Münden zeigt eine über die Jahrhunderte konsequente Orientierung an den europäischen Baustilen, ohne die regionale Bauweise des Fachwerks wesentlich zu verlassen. Einen Bruch dieser Kontinuität stellen lediglich einige Neubauten im Rahmen von kleinräumigen Flächensanierungen der 1970-er bis 1990-er Jahre dar.

Was wir also anstreben müssen, ist eine Stärkung der Identität aller am Bauen Beteiligten mit der Baukultur ihrer Stadt. Nur durch eine hohe bauliche Qualität werden unsere historischen Stadtzentren als Lebensraum für Wohnen, Arbeiten und Freizeit attraktiv bleiben.

Dazu lassen sich folgende Thesen ableiten:

These 1:
Wir sollten unsere einzigartigen FACHWERKSTÄDTE nicht nur als europäisches Kulturgut begreifen, sondern auch als Facette unseres Lifestyles - das wird die Wiederbelebung voranbringen.

These 2:
Neue Wege der Denkmalvermittlung sind dringlich, um den Bürgern ihre Fehldeutungen zur Denkmalpflege - wie Unbezahlbarkeit und Musealisierung - zu nehmen.

These 3:
Das Weiterbauen in der Altstadt muss als Ergebnis des jeweiligen Zeitgeistes gesehen werden, die Qualität des Ergebnisses wird durch das Zusammenspiel der Akteure (Bauherr, Architekt, Tragwerksplaner, Handwerker, Verwaltung und Denkmalpflege) bestimmt. Die Verhinderung der zeitgeistlichen Entwicklung verfälscht die Wirklichkeit.

These 4:
Für die Baukultur in unseren Fachwerkstädten bringen hochkarätig besetzte Gestaltungsbeiräte die Stadtbaukunst voran.

These 5:
Unsere historischen Altstädte sind auf Dauer nur überlebensfähig, wenn das Wohnen stabilisiert und gleichzeitig attraktiviert wird. Barrierearme Wohnungen werden nachgefragt. Dabei muss die Denkmalpflege weiterhin Mut zu innovativen Lösungen zeigen.

These 6:
Baulückenprogramme sind nicht nur geeignet für inhomogene Bauensembles, sondern modifiziert auch als Modell für Fachwerkstädte wichtig. Daher ist bei der Ausgestaltung der Förderkulissen auch der Neubau zu berücksichtigen.

(Quelle: Arbeitsgemeinschaft Deutsche Fachwerkstädte e. V., Fachwerk-Informationen Heft 1 u. 2/2012)

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