Aktuelles

23.07.2019

Hüter von Traditionen und Labore der Zukunft: Welterbe-Städte setzen Impulse

Empfehlung des Kulturausschusses des Deutschen Städtetages aus der 154. Sitzung am 4./5. April 2019
in München

Die Anerkennung einer Altstadt oder eines Stadtteils als UNESCO-Weltkulturerbe ist die höchste internationale Auszeichnung für den Erhalt einer historischen Stadt. Mehr noch als andere Welterbestätten sind diese Städte in besonderer Weise gefordert, das Spannungsverhältnis zwischen Tradition und Moderne, zwischen der Bewahrung des historischen Bestands und der Entwicklung einer lebendigen Stadt auszuhalten und auszugleichen. Die Auszeichnung eröffnet neue wirtschaftliche Perspektiven, besonders im Tourismus, kann aber auch zu Belastungen führen, z. B. durch eine hohe Nutzungsintensität und eine große Zahl von Besucherinnen und Besuchern. Aus der Auseinandersetzung mit diesen Fragestellungen ergeben sich neue Impulse für eine integrierte Stadtentwicklung, von denen auch Städte profitieren können, die nicht Welterbe sind. Ziel ist es, dass eigene Profil als Stadt zu schärfen, eine gemeinsam getragene Stadtidentität zu entwickeln, die auch europäische und globale Bezüge hat und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern. Gerade angesichts der aktuellen Herausforderungen wie Globalisierung, Klimawandel, Zuwanderung und sozialer Segregation kommt solchen Prozessen eine hohe Bedeutung zu.
 
Das Europäische Jahr des kulturellen Erbes 2018 hat die Bedeutung vor allem des baukulturellen Erbes für die Entwicklung einer gemeinsamen Identität und gemeinsamer Werte verstärkt in das Bewusstsein gerückt. Die Erklärung von Davos „Eine hohe Baukultur für Europa“ der europäischen Kulturminister hebt die zentrale Rolle der Baukultur für die Qualität des Lebensraums hervor. Die Welterbe-Städte sammeln schon seit Jahren Erfahrung darin, Traditionsbewusstsein und Zukunftsorientierung miteinander zu verbinden. Ihre Erfahrungen können auch Impulse für andere Städte liefern, die ihr baukulturelles Erbe behutsam mit neuen Entwicklungen in Einklang bringen und die Chancen einer partizipativen Stadtentwicklung nutzen wollen. Sie sind Hüter von Traditionen und Labore der Zukunft gleichermaßen. Viele positive Lösungsansätze aus UNESCO-Welterbe-Städten können gut auf andere (historische) Städte übertragen werden.
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(Quelle: Deutscher Städtetag Berlin und Köln)
 
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