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Volker Panzer am 2. Oktober 2014 bei der DNK-Denkmalintervention in Frankfurt am Main

20.08.2020

Denkmalschützer, Denkmalkämpfer - Zum Tod des ZDF-Kulturjournalisten Volker Panzer

Er ist nur 73 Jahre alt geworden.

Volker Panzer ist gestorben. Nach längerer Krankheit durfte er friedlich entschlafen. Es ist traurig, so früh von ihm Abschied nehmen zu müssen. Die Bestürzung ist groß bei allen, die ihn kannten und die mit ihm zu tun gehabt haben, aber auch in der großen Öffentlichkeit, die er mit seinen Sendungen über so viele Jahre berührte.

Volker Panzer war ein Mann mit vielen Facetten. Er war bodenständig stolz auf seine saarländische Heimat, betrachtete sich als traditionellen Sozialdemokraten und wurde dann doch der polyglotte Kulturmensch, vernetzt in der Berliner Hauptstadtszene. Begonnen hat er als Redakteur im ZDF-Kulturmagazin “aspekte“, ein rasender Reporter, ein besessener Rechercheur und ein ebenso unerbittlicher wie sensibler Beobachter, jederzeit bereit, für die gute, die schöne und wahre Kultur-Sache ins Feld zu ziehen.
Bald entdeckte er für das ZDF den Denkmalschutz. Pionierarbeit bei „aspekte“ in den 70er Jahren. Als 1989 die Mauer fiel, war es wieder Volker Panzer, der das Thema beharrlich vorantrieb. Schon im Januar 1990 zogen wir nach Erfurt, um von dort mit Unterstützung des DDR-Fernsehens live ein erstes „aspekte extra“ zur desolaten Bausituation in Ostdeutschland zu senden. Volker Panzer moderierte eine bunte Gästeschar, von der Bürgerbewegung bis hin zu den Bossen der Plattenbaukombinate und der „roten“ Rosemarie, der letzten SED-Oberbürgermeisterin Erfurts. Was für ein Erlebnis! Weitere „aspekte extras“ folgten. Über den Zusammenhang von Tourismus und Denkmalschutz live aus Bad Doberan oder über Berlins neue, alte Mitte live aus dem Esplanade am Potsdamer Platz. Immer auf der Seite der Bürgerinnen und Bürger, der tollkühnen Streiterinnen und Streiter für historische Bauten, die nicht vergessen werden sollten. Von da an war der Denkmalschutz ein Kerngebiet des gesellschaftlichen ZDF-Engagements. Panzer regte 1992 eine Staffel von Denkmalspots über schwer hilfsbedürftige Baudenkmale in Ostdeutschland an, unterstützt von der „Deutschen Stiftung Denkmalschutz“. Das damals verfallene Waidhaus von Görlitz beispielsweise, oder die Ruine von St. Georgen in Wismar, das schöne Schloss Rossewitz ohne Böden und Decken und das Weissbachsche Haus in Plauen. Eine erste, sehr wirkungsvolle Initiative, die Westdeutsche wie Ostdeutsche gleichermaßen bewegte und für den Denkmalschutz einnahm. Mit seiner Begeisterung steckte Volker Panzer das Publikum an und seine Kolleginnen und Kollegen, auch ich fing Feuer und durfte seine publizistische Arbeit an den alten Bauten bis heute fortsetzen.
Das DNK hat Volker Panzer viel zu verdanken. Über viele Jahre engagierte er sich in der Jury des Deutschen Preises für Denkmalschutz – und viel später, 2012, machten wir mit dem DNK eine Tour durch Deutschland, mit den „Denkmal-Interventionen“. Volker Panzer moderierte faszinierende Gespräche mit führenden Intellektuellen und Künstlerinnen wie Thea Dorn, Markus Lüpertz, Uwe Tellkamp oder Juli Zeh. Über Schönheit und  deutsche Mythen, über die Macht der Erinnerung und die Zukunft der alten Städte. Ein neues Format, das quasi um die Ecke denkt, wurde mit großem Publikumszuspruch etabliert. Für seine Verdienste ist Panzer im DNK bereits 1981 mit dem Journalistenpreis des Deutschen Preises für Denkmalschutz geehrt worden.

Volker Panzer konnte alles im TV: Er drehte „Terra X“-Dokumentationen, leitete die ZDF-Redaktion „Geschichte und Gesellschaft“ und fand dann mit dem „nachtstudio“ seine eigentliche Bestimmung. Unglaubliche 15 Jahre lang diskutierte er mit allen Größen der Kultur und der Wissenschaften die brennenden Themen unserer Zeit. Das virtuelle Kaminfeuer flackerte auf dem Bildschirm im Studio, die Gedanken flogen, die Worte auch, und Panzer steuerte das Dauerfeuerwerk der Argumente mit beeindruckender Schlagfertigkeit und Nervenkraft.
Ja, Volker Panzer war ein facettenreicher Charakter. Ein liebenswürdiger Freund, offenherzig und großzügig. Ein homme de lettres aus dem Saarland, ein Streiter für die Kultur, einer, der es nicht ertragen konnte, dass ganze Baulandschaften zusammenzubrechen drohten oder dem schnellen Geld geopfert werden sollten. Er verhalf den Baudenkmalen zu anrührenden und aufwühlenden Auftritten. Volker Panzer hat sich um den Denkmalschutz nun wirklich verdient gemacht!

 

Werner von Bergen (ZDF)

Im DNK Vorsitzender der AG Öffentlichkeitsarbeit und Juryvorsitzender Deutscher Preis für Denkmalschutz

 

 

 

 

 

 

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