Aktuelles

28.09.2020

Verleihung des Deutschen Preises für Denkmalschutz 2020

Verleihung des Deutschen Preises für Denkmalschutz 2020

// Bekanntmachung der Preisträgerinnen und Preisträger
// Preisverleihung am 23. November 2020 in Berlin
 

Montag, 28. September 2020

 Das Präsidium des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz verleiht in diesem Jahr zehn Persönlichkeiten und Personengruppen, die sich in besonderem Maße um die Erhaltung und Vermittlung des baulichen und archäologischenErbes verdient gemacht haben, den Deutschen Preis für Denkmalschutz.

Der Deutsche Preis für Denkmalschutz ist die höchste Auszeichnung auf diesem Gebiet in der Bundesrepublik Deutschland. Sie wird in mehreren Kategorien vergeben:  Dem Karl-Friedrich-Schinkel-Ring für ein herausragendes Lebenswerk, den Silbernen Halbkugeln für überdurchschnittliches Engagement einzelner oder mehrerer Personen für die Denkmalpflege, dem Journalistenpreis für engagierte und fachkundige Berichterstattung über Kulturdenkmale sowie dem Internetpreis für die Vermittlung denkmalpflegerischer Inhalte

Den Karl-Friedrich-Schinkel-Ring erhält:
Dipl.-Ing. Winfried Brenne (Berlin)

Die Silbernen Halbkugeln erhalten:
Denkmalstiftung Walder Kirche e. V. (Nordrhein-Westfalen)
Studentendorf Schlachtensee eG (Berlin)
Achim Kramb (Hessen)
Kirchberger Natur- und Heimatfreunde des NABU Deutschlands Ortsgruppe Kirchberg e. V. (Sachsen)
Viadukt e. V. Verein zur Nutzung des Baulichen Erbes der Industrialisierung Chemnitz (Sachsen)
Heimatbund Bad Dürrenberg e. V. (Sachsen-Anhalt)

Den Journalistenpreis erhalten:
Uli Patzwahl (NDR)
Nils Werner und Alexander Roth (MDR)
Rita Neumaier (Stadtredaktion Landshuter Zeitung)

Der Internetpreis wird in diesem Jahr nicht vergeben.

Zusammenfassende Begründungen für die Vergabe der Preise sind dieser Information beigefügt.


Die Preise werden am 23. November 2020 in dem Berlin Congress Center (bcc) in Berlin durch das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz feierlich überreicht. Zu dieser Preisverleihung um 14.30 Uhr ist die Presse herzlich eingeladen. Die Geschäftsstelle bittet um vorherige Anmeldung und Akkreditierung.


Anmeldung und weitere Informationen zur Preisverleihung:

Geschäftsstelle des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz
bei der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien - K 54,

Köthener Straße 2, 10963 Berlin

caecilie.schueren@bkm.bund.de

www.dnk.de


Pressekontakt:

Angelika Wölfel
Geschäftsstelle des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz
bei der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien – K54

Angelika.Woelfel@bkm.bund.de

030 18 681-44341

 
 

Zur Begründung:

Der Karl-Friedrich-Schinkel-Ring wird in diesem Jahr verliehen an:

Dipl.-Ing. Winfried Brenne (Berlin)

für sein weit über die Architektentätigkeit hinausgehendes, außergewöhnliches Engagement als anerkannter Spezialist für die denkmalgerechte Instandsetzung von Bauten der klassischen Moderne. Seit den 1970er Jahren ist er ein Pionier in Bewertungsfragen, für die Bauforschung der Moderne, für restaurierungsethische wie auch konstruktionsgeschichtliche Aspekte. Es gelang ihm mit seinem Büro methodisch wertvolle Grundlagenarbeit für die Erfassung und Bewertung von Konstruktionen, Oberflächen und Schadensbildern zu leisten. Für die oft komplizierten Reparaturen und Instandsetzungen wurden mit bemerkenswerter Detaillierung, Geduld, Erfindergeist und Erfahrungswissen immer wieder Lösungen gefunden, die bauphysikalisch, erscheinungsbildlich und funktional angemessen sind. Darüber hinaus ist Winfried Brenne stets als Vermittler deutschlandweit und international aktiv und lässt so eine breite Fachwelt an seinem Wissen teilhaben.


Die Silbernen Halbkugeln werden an folgende Preisträger vergeben:

Denkmalstiftung Walder Kirche e. V. (Nordrhein-Westfalen)

für ihren ambitionierten Einsatz zur Rettung dieser ortsbildprägenden, neoklassizistischen Kirche mit 1.000 Jahre altem Turm, die inzwischen zu einem identitätsstiftenden Faktor für Solingen avanciert ist. Es ist der Stiftung gelungen, durch ihre unermüdlichen Aktionen die gesamte Bürgerschaft von Jung bis Alt, Christen und Muslime, Karneval und Politik mitzureißen. Ihr Vorgehen ist äußerst kreativ und erzielt eine große Breitenwirkung – Schneekugeln für Weihnachtsmärkte (die inzwischen schon Sammler-Wert erreicht haben), Motto-Umzüge, Märkte bis hin zu Fachvorträgen. Dabei ist die erreichte finanzielle Dimension ebenso beachtlich, mit der sie die Kirchengemeinde – in Abstimmung mit der Denkmalpflege – bei Restaurierungsarbeiten der Kirche unterstützen.

Studentendorf Schlachtensee eG (Berlin)

für ihr langfristiges, mutiges Engagement, ohne dieses das herausragende Ensemble der 1950er Jahre nicht mehr existierte. Geschenkt von den Amerikanern sollte dort die akademische Elite von morgen Demokratie lernen, üben und sich vor allem als selbstbewusste Gemeinschaft empfinden, unterstützt durch die Architektur. Eine Anlage mit hohem gestalterischen und vor allem ideellen Anspruch, die trotzdem durch Instandhaltungsrückstau um die Jahrtausendwende akut gefährdet war. Es ist allein der Genossenschaft, die sich 2002 aus Studierenden und Befürwortern gegründet hatte und das Studentendorf 2003 vom Land erwarb, zu verdanken, dass das denkmalgeschützte Ensemble behutsam modernisiert und saniert werden konnte. So steht es noch heute für ökologisches, denkmalgerechtes Bauen und Studierende, die zu selbstbewussten Menschen heranwachsen dürfen.

Achim Kramb (Hessen)

für seine behutsame, substanzschonende, mustergültige Sanierung eines Gasthauses aus dem 16. Jahrhundert in der Innenstadt von Limburg. Hier handelt es sich um eine behutsame Denkmalinstandsetzung, bei der die Nutzung stets mitgedacht und die ursprüngliche Funktion fortgeführt wurde bei gleichzeitig sehr großem unternehmerischem Risiko. Dies ist ein gelungenes Beispiel mit Vorbildfunktion in Zeiten des innerstädtischen Leerstands und der Suche nach geeigneten Nutzungskonzepten.

Kirchberger Natur- und Heimatfreunde des NABU Deutschlands Ortsgruppe Kirchberg e. V. (Sachsen)

für ihre über 30 Jahre hervorragende, umfassende Betreuung des bedeutenden montanarchäologischen und historischen Flächendenkmals „Hoher Forst“ bei Kirchberg (Zwickau). Schwerpunkt ihrer Arbeit ist der Erhalt, die Pflege und die Vermittlung der historischen Bergbaulandschaft inklusiv ihrer Relikte in Zusammenhang mit Belangen des Naturschutzes. Es ist ihnen vortrefflich gelungen, Kulturlandschaft und Kulturerbe miteinander zu verbinden und so die 700jährige Besiedelungs- und Bergbaugeschichte der Region, eines der am besten erhaltenen ober- und untertägigen Zeugen des mittelalterlichen Bergbaus im Erzgebirge, einer breiten Öffentlichkeit näher zu bringen. Seit 2019 ist der Hohe Forst Teil des UNESCO-Welterbes „Montanregion Erzgebirge/Krušnohori“.

Viadukt e. V. Verein zur Nutzung des Baulichen Erbes der Industrialisierung Chemnitz (Sachsen)

für ihren erfolgreichen Kampf um die Rettung des Chemnitzer Eisenbahnviaduktes. Die Deutsche Bahn AG (DB AG) plante, als Eigentümerin der Brücke, diese abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzen. Dem Verein ist es durch beispielloses Engagement, mit Mut, Kreativität und Sachverstand gelungen, dass die DB AG 2018 durch das Eisenbahnbundesamt verpflichtet wurde, das Eisenbahnviadukt zu erhalten, zu ertüchtigen und denkmalgerecht zu sanieren. Das technische Denkmal Chemnitztalviadukt wird dank des Vereins auch künftig als Zeugnis für die Stahlbaukunst um 1900 erhalten bleiben und zugleich den aktuellen Anforderungen des Bahnverkehrs gerecht werden.

Heimatbund Bad Dürrenberg e. V. (Sachsen-Anhalt)

für sein ehrenamtliches Engagement zum Erhalt und zur Bewusstseinsbildung über den Wert des überaus bedeutenden, unter Denkmalschutz stehenden Gradierwerkes dieser ehemals sächsischen Saline. Der Heimatbund kümmert sich bereits seit 25 Jahren um dieses technische Denkmal, die längste Gradieranlage Deutschlands, die auch Teil der Route der Industriekultur ist. Sein bemerkenswertes Engagement bei der permanenten Erhaltungsarbeit des Gradierwerks und sein erfolgreiches Fundraising stellt einen stabilen finanziellen Hintergrund dar. Der Heimatbund hat sich der „salzigen Geschichte“ des Ortes verschrieben und bemüht sich, diese durch Schausiederei, eine Heimatsammlung und ehrenamtliche Gradierwerksführungen lebendig und erlebbar zu halten.

Der Journalistenpreis wird in diesem Jahr an folgende Preisträger vergeben:

Uli Patzwahl (NDR)

für seine lebendige Fernsehdokumentation über Hamburgs Backsteinbauten der 1920er Jahre. Fachlich fundiert und mitreißend erzählt bringt er uns die Problematik des Erhalts und der Sanierung des Backsteins näher. Dabei erfährt der Zuschauer etwas über die traditionelle Backsteinherstellung bis hin zu modernen Backsteinbauten in der Hafencity, erlebt den Abwägungsprozess zwischen Denkmalschutz und Wohnraumnot expandierender Städte inkl. Abrissproblematik und neuer Nutzungskonzepte. Über allem steht „Bewusstsein bestimmt das Handeln“ und es ist Herrn Patzwahl gelungen, den Zuschauer in diesen Prozess miteinzubeziehen und Nachdenken anzuregen.

Nils Werner und Alexander Roth (MDR)

für ihre 30-minütige, kundig moderierte Fernsehdokumentation, die mit viel historischem Material über die Dresdner äußere Neustadt den Zuschauer auf Zeitreise mitnimmt. Dabei geht es nicht um eine nostalgische Rückschau, sondern um „spannende Gegenwartsfragen in historischer Perspektive“, so der Sender. Das größte nahezu unzerstörte Altbauensemble der Stadt bot den Bürgerinnen und Bürgern ein bröckelndes, aber lebendiges Quartier, in dem sie neue Formen des Hausbesitzes und auch der Instand(be)setzung wagten. Heute ist nicht mehr viel übrig vom erkämpften „bezahlbaren Wohnen“ in der geretteten Dresdner Neustadt, die nun ein durchsaniertes, teures Vorzeigeviertel ist. Ihre Sendung „MDR-Zeitreise – Eigenheim im Plan“, die sich auch über Dresden hinaus mit den Problemen um Wohneigentum in der DDR befasst, trägt eindrucksvoll auf der Höhe der Zeit zur Erinnerung und Aufklärung im 30. Jahr der Wiedervereinigung bei.

Rita Neumaier (Stadtredaktion Landshuter Zeitung)

für ihre verdienstvolle Artikelserie, mit der sie sich seit rund 10 Jahren für den Erhalt von Baudenkmalen in Landshut einsetzt. In der Wochenendausgabe veröffentlicht sie regelmäßig sehr detailreiche und persönliche Porträts von Baudenkmalen und ihren Bewohnern (Landshuter Häuserporträts) und trägt damit zu Akzeptanz und Identifikation der Bevölkerung mit dem kulturellen Erbe der Stadt bei. Ihre nachhaltige, kritisch-konstruktive Berichterstattung mit aussagekräftigen Fotos ist vorbildhaft.

Der Internetpreis wird in diesem Jahr nicht vergeben.

Pressemitteilung

 

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