Aktuelles

21.05.2011

www.KuLaDig.de – KuLaDig steht jetzt im Netz

KuLaDig (Kultur.Landschaft.Digital) ist ein im Aufbau befindliches digitales Fach-Informationssystem zur Darstellung von historischen Kulturlandschaften in Text, Karte und Bild. Es ist gedacht als eine fach- und ämterübergreifende Datensammlung in einem elektronischen Verzeichnis mit gestaffelten Zugriffsebenen. KuLaDig wird durch den Landschaftsverband Rheinland und durch das Landesamt für Denkmalpflege Hessen betrieben. Den Landschaftsverband Rheinland vertreten die Dienststellen des LVR-Dezernats Kultur und Umwelt: das LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland, das LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, der LVR-Fachbereich Kultur, der LVR-Fachbereich Umwelt, das LVR-Zentrum für Medien und Bildung, LVR-InfoKom und der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz.

Der Weg bis hierhin war lang und nicht immer leicht, - die vielen Beteiligten haben zahlreiche Aspekte eingebracht, die eingehend diskutiert werden mussten, um ein von allen getragenes und möglichst umfassendes und auch weiterhin flexibles System entstehen zu lassen. Im Jahr 2000 formierte sich eine erste Projektgruppe zur Konzeption eines Kulturlandschaftskatasters in einer zeitgemäßen, das hieß sehr bald in einer digitalen Form. Seit 2003 setzte eine IT-Entwicklung die Ergebnisse elektronisch um. Fachlich-inhaltlich von einzelnen Pilotprojekten begleitet, war 2005 eine erste technische Version erstellt. 2008 lag eine verbesserte Version vor und ab Sommer 2009 wurde schließlich die jetzige Version 3.0 entwickelt. Neben verschiedenen kleineren Pilotarbeiten wurden im Rheinland in jüngster Zeit im Rahmen des Projektes Ruhr 2010 Daten aus drei Essener Stadtbezirken bearbeitet und in das System eingestellt. Seit Oktober 2010 steht das technische Gerüst mit den bisher erarbeiteten Daten im Internet. Es kann erprobt werden und soll aus den Erfahrungen fortlaufend verbessert und weiterentwickelt werden.

Die Sicht des LVR- Amtes für Denkmalpflege im Rheinland
Der denkmalpflegerische Weg in den Landschaftsraum und das Interesse an einer räumlichen Darstellung beginnt bei jedem einzelnen Baudenkmal. Bauliche Anlagen und Mehrheiten baulicher Anlagen stehen an einem topographischen Ort. Zwischen Objekt und Ort besteht eine Wechselbeziehung: Jedes Haus, jedes Objekt ist mit dem Ort nicht nur statisch, sondern auch im Hinblick auf seine Funktion verbunden, es reagiert in der Bauweise, im Material, in der Nutzungsart zweckmäßig auf die naturräumlichen Gegebenheiten und wirkt als Baukörper in seine Umgebung. Der Landschaftsraum und seine historischen Spuren sind bei der denkmalrechtlichen Bewertung von Einzelobjekten unterstützende Attribute. Sie können als Bestandteile der unmittelbaren Umgebung den Denkmalwert des Einzelobjektes festigen.

Doch das Denkmalschutzgesetz von Nordrhein-Westfalen spricht den Landschaftsraum auch zweimal direkt an: im von Menschenhand gestalteten Landschaftsteil und im Denkmalbereich. Gestaltete Landschaftsteile mit historischer Aussage können selbst denkmalwert sein. Beispiele sind die Parkanlage oder der Weinberg. Ergänzend können sowohl die unmittelbare Umgebung - der Ausstrahlungsbereich eines Objektes - als auch das Zusammenspiel von Mehrheiten baulicher Anlagen mit ihrem Nutzungs- und Wirkungsraum in der Landschaft als Denkmalbereich festgestellt werden.
Eine weitere gesetzliche Aufgabe der Denkmalpflege besteht darin, als Träger öffentlicher Belange in Stellungnahmen zu Fachplänen und Planungen historisch bedeutsame Elemente und Relikte vergangener Lebensformen in dem jeweiligen Landschaftsraum zu benennen und darzustellen.

Nun wird die gesamte uns umgebende Landschaft als eine durch den Menschen geprägte und vielschichtige Kulturlandschaft verstanden, die zahlreiche historische Elemente und Relikte birgt. Verdichten sich die historischen Spuren in einem Ausschnitt, so handelt es sich um eine historische Kulturlandschaft. In ihr überlagern sich zeitliche Schichten, gleichzeitig greifen thematische Prägungen ineinander: Römische Straßensysteme und Siedlungsplätze können von mittelalterlichen Gründungen überdeckt und in bauliche Anlagen nachfolgender Jahrhunderte aufgegangen sein; gewerbliche Spuren können mit der Geschichte religiöser Zeugnisse eng verflochten, Bauten und Nutzungshinweise der Landwirtschaft von neuzeitlichen Versorgungs- und Erschließungssystemen geteilt oder zerschnitten sein. Sowohl die zeitlichen Schichten als auch die thematischen Prägungen lassen sich an den denkmalwerten Objekten eines Gebietes punktuell verankern. Verbinden und durchdringen sie das Land, so sind sie in weiteren historischen Elementen greifbar: in nicht denkmalwerten und dennoch historisch aussagekräftigen baulichen Anlagen und in Arbeits- und Nutzungsspuren auf der Erdoberfläche, zum Beispiel in Stufenrainen, Hohlwegen, Obstwiesen, Waldkanten oder bedeutsamen Sichtbezügen. Umgekehrt werden sowohl die historischen Prägungen als auch die Einzelobjekte durch Zusammenhänge getragen und gewinnen im Miteinander an Überzeugungskraft.

KuLaDig ist für die Denkmalpflege zunächst ein Instrument zur Präsentation der denk-malwerten Objekte an ihrem topographischen Ort. Neben Bezeichnung und Verortung müssen die vorhandenen Gutachten bearbeitet, als Internetversion zusammengefasst, Kurztexte neu erstellt, die Objekte in ihrem denkmalwerten Bestand vor Ort noch einmal überprüft und mit aktuellen Fotos dokumentiert werden. Dabei muss der entsprechende Arbeits- und Zeitaufwand realistisch benannt und kalkuliert werden.
In räumlich begrenzten Projekten könnten – gemeinsam - in einem definierten Zeitraum und mit strukturierter Zielfindung das Umfeld von Einzelobjekten erfasst und prägende Elemente und Zusammenhänge, die im einzelnen Geschichte überliefern und die geschichtliche Gesamtaussage des betrachteten Landschaftsraumes begründen, aufgenommen werden. Ein Landschaftsausschnitt, der der Besiedlung den geeigneten Raum, den nutzbaren Boden und die passende Gewässerart bot, der über Jahrhunderte Nutzungen anzog und sich auf Grund seiner Oberflächenbewegung und Bodenbeschaffenheit für wechselnde, jedoch immer wieder spezifische Funktionen eignete, wirkt in seiner historischen Überzeugungskraft bis heute. Die Nutzung seiner Eigenschaften und die möglicherweise kontinuierliche Zwiesprache mit menschlichem Handeln könnten dingfest gemacht werden, um das Einheit stiftende Moment zu verorten und zu konkretisieren.

In der Zusammenarbeit der beteiligten Disziplinen fließen in KuLaDig alle Informationen zusammen. Liegen mehrere Informationen zu einem Objekt vor, so erfolgt über die Redaktion eine Absprache: Unter der Federführung eines Amtes wird ein gemeinsamer Text angestrebt. Bei Aussagen ohne Konsens und ohne inhaltliche Überschneidungen bleiben unabhängige, sich im Idealfall ergänzende Texte nebeneinander bestehen.
In beiden Fällen könnten in der Zusammenarbeit Aussagen einer Fachdisziplin gestärkt, vielleicht sogar neue Erkenntnisse gewonnen werden, zumal es wünschenswert ist, dass KuLaDig über eine reine Sammlung hinaus eine eigene Qualität erhält. Denn ein betrachteter Landschaftsausschnitt ist mehr als die Auflistung seiner Elemente, auch mehr als die Darstellung von inhaltlichen und zeitlichen Bezügen zwischen den Objekten. Definierte Zusammenhänge würden bekräftigt und könnten möglichen Planungen als Gesamtheit und Zusatzargument besser stand halten:

• Wallfahrtswege, die aus allen Richtungen zu einer Kirche führen, bilden ein sternförmiges Netz, das den Ort der Wallfahrt im Mittelpunkt einbindet und sind auf dieser Betrachtungsebene ein Element (Marienwallfahrtsort Hennef-Bödingen).
• Die gewerbliche Prägung eines Landschaftsausschnitts kann bei einer hohen Bedeutung und Anschaulichkeit selbst zu einem eigenen Objekt werden (Siebengebirge).
• Ebenso ein bedeutender historischer Blick in seiner zeitlichen Dimension ein-schließlich leichter Veränderungen (Schloss Ehreshoven, Blick von Roidkin).
• Auch besteht die Silhouette eines Ortes aus einzelnen Objekten, die Wandlungen unterliegen. Dennoch ist die Silhouette in ihrer changierenden Erscheinung mit definierten Festpunkten ein bedeutendes Erkennungszeichen des Ortes und ist in ihrer Gesamtheit ein Schutzgut und in ihrem Wandel ein KuLaDig-Objekt (Köln, Zons).
• Ein geplanter und in einem Guss umgesetzter Stadtgrundriss weist für die Stadt Identität stiftende Bezüge zu markanten Einzelobjekten und Straßenräumen auf und ist selbst ein eigenes Objekt (Jülich).
• Eine historische Straße geht in ihrem Verlauf auf zeitliche Vorgänger zurück und ist im gesamten sowohl zeitlichen als auch räumlichen Verlauf ebenfalls ein eigen-ständiges Objekt (Bonn, Bundesstraße 9).
• Die Dachlandschaft eines Ortes kann in ihrer Struktur und Bewegung ein prägendes Element eines gesamten Ortes sein.

Im Vergleich zu einer reinen Datensammlung und zur herkömmlichen Arbeitsweise in Papierform können auf dem Bildschirm Objekte in ihrer räumlichen Einbindung anschaulicher und vielseitiger gezeigt, es können mehrere Objekte im räumlichen und inhaltlichen Zusammenhang dargestellt, denkmalwerte, erhaltenswerte Objekte und historische Landschaftsteile verknüpft und aus historischen Zusammenhängen erklärt werden. Es kann auf prägende und zwischen den Beteiligten abgestimmte Gesamtzusammenhänge, größere Flächen, Kulturlandschaftsteile und Kulturlandschaftsbereiche hingewiesen und im Einzelfall den historischen Zusammenhängen ein eigener Zeugniswert beigemessen werden. Bei einer umfassenden Eingabe könnte die fortlaufende Entwicklung von Landschaft - durch Visualisierungen optisch unterstützt - fließend nachvollzogen werden, kartographische Überblendungen und Verschneidungen könnten geschichtliche Zusammen-hänge generieren und anschaulich präsentieren.

Die Anwendung
Ein Ziel von KuLaDig ist, über das landschaftliche Kulturelle Erbe aus Einzelobjekten und Zusammenhängen zu informieren, die Suche nach Themen zu ermöglichen, historische Entwicklungen in der Landschaft darzulegen und Zusammenhänge in der Kulturlandschaft zu vermitteln. Bei allen technischen Raffinessen ersetzt KuLaDig jedoch nicht die zwingende Beteiligung der Fachämter als Träger öffentlicher Belange in konkreten Planungsverfahren, es könnte allerdings helfen, frühzeitig Auswirkungen von Planungsüberlegungen auf die Kulturlandschaft zu verorten und zu bedenken und sowohl Planer als auch die Öffentlichkeit für die Belange des Kulturellen Erbes zu sensibilisieren.
Nach Abstimmung mit den Gemeinden als Untere Denkmalbehörden können die rechtlich abgesicherten Texte der Denkmalliste als nicht veränderbare PDF-Dokumente angehängt werden.
KuLaDig ist auch als Austauschebene für Interessierte in der Denkmalpflege, im Naturschutz und in der Heimatforschung gedacht. Eine einfache Zugänglichkeit, verknüpft mit einem Berechtigungskonzept für eine gestufte Informationsbereitstellung, ermöglicht die Eingabe von Hinweisen. Um dabei den Standard einer wissenschaftlichen Publikation zu wahren, prüft und filtert eine inhaltlich verantwortliche Redaktion jede Eingabe.

Der Nutzer trifft sowohl über die einfache und erweiterte Suche als auch über die Eingabe (bei angemeldeter Bearbeitung) auf eine digitale, über verschiedene Reiter aufklappbare Masken mit strukturierten Text- und Bildvorgaben und einem Luftbild mit maßstäblich hinterlegtem Kartenwerk. Die Suche wird über die Anbindung an ein kontrolliertes Wortgut (Thesaurus) erleichtert. Neue Objekte können über eine einfache Bearbeitungsfunktion in wenigen Pflichtfeldern eingegeben, in einem Text (Kurztext und wahlweise zusätzlichem Langtext) beschrieben und in einem Kartenausschnitt - in der Regel - der Deutschen Grundkarte (M 1:5000) verortet werden. Dabei wird die jeweilige Fläche mit leicht zu handhabbaren Zeichenwerkzeugen markiert. Die Bearbeitungsebene endet – dem Ziel, Objekte in der Landschaft zu zeigen, angemessen - in dieser Maßstabsebene. Bei Bedarf können neben Fotos, kleine Filmausschnitte, akustische Sequenzen, auch Grundriss- und Ansichtspläne eingefügt, PDF-Dateien angehängt und weitere Internet-Seiten verlinkt werden.

Methodisch eröffnen sich mit KuLaDig neue Möglichkeiten, ergeben sich neue Denkmuster zur Vermittlung von historischen Werten und Zusammenhängen, die im einzelnen gewissenhaft und kritisch erprobt werden sollten. Um das Werkzeug kennen zu lernen, seine Anwendungsmöglichkeiten zu überprüfen und um seine Qualitäten auszuschöpfen, kann ein Sich-Einlassen in die neue Welt reizvoll und gewinnbringend sein.

Flyer

(Quelle: Dr. Elke Jnaßen-Schnabel, LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, veröffentlicht in: Denkmalpflege im Rheinland, 2011, Heft 1, S. 33-36.)

 

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