2011
Redaktion der „Winnender Zeitung“
Man findet nicht mehr viele historische Gebäude in der Gemeinde Leutenbach. Dazu sind hier, im dichtbesiedelten Großraum Stuttgart, wohl die Immobilienpreise zu hoch, ist der Neubau von Wohnraum zu lukrativ, fehlt es bisweilen auch am Verständnis für den Wert gebauter Zeugen der Vergangenheit.
Im Zuge einer Ortskernsanierung sollten in Leutenbach, das bereits seine alte Kirche eingebüßt hatte, zugunsten der Errichtung neuer Eigentumswohnungen zwei ehemalige Gasthäuser abgerissen werden. Auch das ortsbildprägende alte Schulhaus blickte einer ungewissen Zukunft entgegen. Die Redaktion der „Winnender Zeitung“ nahm sich dieser Themen an, und aus dieser Berichterstattung entstand die Ideen zu einer Artikelserie über historische bedeutsame Gebäude in der Region, den Umgang mit ihnen, was ihre Eigentümer und oft neuen Bewohner an den alten Bauten schätzen und wie sie sich für diese engagiert haben. Von Juli bis Dezember 2010 ging es in zwanzig Teilen um einen einstigen Gutshof und ein ausgedientes Pfarrhaus, ein Bahnwärterhäuschen, ein winziges altes Dorfrathaus oder um Scheunen, aber auch um ein Gasthaus, das bereits der Zerstörung geweiht war.
Mit ihren sehr lebendig geschriebenen, facettenreichen Artikeln weckten die Redaktion und deren freie Mitarbeiter das Interesse an lokalen Baudenkmalen und schärften das Bewusstsein für deren Bedeutung. Für diese beispielhafte Initiative, der viele Nachahmer zu wünschen sind, erhält die Redaktion der „Winnender Zeitung“ den Deutschen Preis für Denkmalschutz 2011.
Die Redaktion „Winnender Zeitung“ über sich:
Als Lokalredakteure begleiten wir das Geschehen in der Großen Kreisstadt Winnenden und in den umliegenden Gemeinden Leutenbach, Schwaikheim und Berglen. Mit vier Kollegen und unseren Fotografen betreuen wir ein Einzugsgebiet von etwa 55 000 Einwohnern vor den Toren der Landeshauptstadt Stuttgart. Hier gibt es S-Bahn und Spätzlepresse, Wengerter und Weltmarktführer, Kehrwoche und Preisträger 2011 Redaktion der „Winnender Zeitung“ Kultur. Zwischen Weinbergen und Streuobstwiesen lässt es sich gut leben, und die Metropolregion mit ihren großen Arbeitgebern wie Daimler, Porsche, Stihl oder Kärcher sorgt dafür, dass sich neue Gesichter unter die alteingesessenen Schwaben mischen. Die Gegend ist dicht besiedelt, die Grundstückspreise sind hoch, häufig mussten dadurch ortsbildprägende Gebäude bereits dem Modernisierungseifer vergangener Jahre oder gesichtslosen Neubauten weichen.
Unser „Kerngeschäft“ ist der Alltag unserer Leser, die Parkplatzsorgen in der Innenstadt, der neue Leiter der Musikschule, die Kirche im Dorf. Wir versuchen dabei, nicht nur Neuigkeiten und Informationen aufzubereiten, sondern auch ein Stück Heimat zu vermitteln, denen, die sie hier bereits gefunden haben und jenen, die neu nach Württemberg gekommen sind. Dazu gehört auch der Blick für das, was Heimat baulich ausmacht und jedem Ort sein individuelles Gesicht und Identität gibt.
Die Konrad-Adenauer-Stiftung hat den Zeitungsverlag Waiblingen, zu dem auch die Winnender Zeitung gehört, 2006 mit dem ersten Preis des Deutschen Lokaljournalistenpreises für das redaktionelle Konzept ausgezeichnet sowie im Jahr 2010 mit einem Sonderpreis für die Trauerarbeit nach dem Amoklauf in Winnenden.

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Horst und Sieglinde Palmer vor dem Elternhaus des einstigen baden-württembergischen Innenministers