2011
Verein HausHalten e.V.
Die größte Bedrohung für den Fortbestand denkmalgeschützter Bauten ist der Leerstand. Gerade auch an unattraktiven Standorten, wie Hauptverkehrsstraßen, konzentrieren sich leere und schwer vermittelbare Bestände, für deren Erhalt ebenso kostengünstige wie unkonventionelle Lösungen gesucht werden.
2004 hatte der Verein „HausHalten e.V.“ in Leipzig eine geniale Idee. Dem Grundprinzip „Hauserhalt durch Nutzung“ folgend, bringt der Verein Hauseigentümer und Nutzer zusammen. Für fünf Jahre überlassen die Eigentümer dem Verein vorübergehend die Nutzungsrechte. Die Eigentümer werden von laufenden Kosten entlastet und ebenfalls von der Pflege des jeweiligen Hauses. Sogenannte „Hauswächter“ übernehmen die leer stehenden Bauten. Durch Eigenleistungen und mit der hervorragenden fachlichen Unterstützung der ehrenamtlichen Vereinsmitglieder werden die Baudenkmale mit einfachen Maßnahmen behutsam instand gesetzt. Immer werden dabei denkmalpflegerische Aspekte berücksichtigt.
Mittlerweile existieren 15 sogenannte „Wächterhäuser“ in Leipzig. Die Idee von „HausHalten e.V.“ ist inzwischen sogar Modellprojekt der Leipziger Stadtentwicklung geworden und ein fester Bestandteil der Leipziger Stadterneuerungsstrategie. Die kreativen Nutzungen der Gebäude sind zu Kristallisationspunkten in der Quartiersentwicklung geworden und ziehen viel jüngere Menschen an. So groß ist das beispielgebende Engagement des Vereins, dass nunmehr zahlreiche Städte in Deutschland die Wächterhaus-Idee übernommen haben.
„HausHalten e.V.“ hat sich in Leipzig als eine feste Größe und als ein verlässlicher Partner der Denkmalpflege etabliert. Eine große Idee mit bundesweiter Ausstrahlung hat sich durchgesetzt. Dafür wird dem Verein „HausHalten e.V.“ die Silberne Halbkugel des Deutschen Preises für Denkmalschutz 2011 verliehen.
Über den Verein HausHalten e.V.
Im Jahr 2003 wurde im Auftrag der Stadt Leipzig ein Konzept zum Umgang mit Leerstand und Verfall an der Lützner Straße in Leipzig erarbeitet. An den dort stehenden denkmalgeschützen, häufig bereits desolaten Gründerzeitbauten rollt der laute Hauptstraßenverkehr vorbei – viele Bewohner waren ausgezogen, eine Sanierung der Häuser rechnete sich durch mangelnde Nachfrage nach Wohnungen nicht. Das an dieser Problemlage entwickelte Konzept war die Geburtsstunde der „Wächterhäuser“. Die Initiatoren des Vereins HausHalten e.V. – Architekten, Stadtplaner, Bauingenieure und Geografen – entwickeln seitdem gemeinsam neue Perspektiven für bedrohte, denkmalgeschützte Häuser in schwierigen Lagen.
HausHalten e.V. sieht die Wächterhäuser als einen Baustein integrierter Stadtentwicklung: Ratlosen Eigentümern sollen Perspektiven zum langfristigen Erhalt ihrer momentan „schwierigen“ Immobilie aufgezeigt werden. Durch die Tätigkeiten der „Wächter“ können Vandalismus, Verfall und damit letztlich der Abbruch denkmalgeschützter Häuser verhindert (oder zumindest verzögert) werden.
Durch die temporäre Nutzung für Kunst oder Hobby, durch Existenzgründer, Vereine, Atelier- oder Bürogemeinschaften, als Ausstellungsräume und Werkstätten wird auch die Wahrnehmung eines solchen Hauses im Viertel verändert: Häufig erst als „Schandfleck“ und „Problem“ empfunden, werden nun durch die Nutzung und die liebevolle Herrichtung das Potential und die historische Schönheit erlebbar. Sowohl die Öffentlichkeit als auch die Nutzer werden so für den Wert eines solchen Hauses sensibilisiert.
HausHalten e.V. entwickelt das Konzept der „Wächterhäuser“ fort und arbeitet an weiteren Modellen zum Erhalt denkmalgeschützter Häuser oder Ladengeschäfte. Im „Bildungs- und Kompetenzzentrum HausHalten“ finden Vorträge, Tagungen und Weiterbildungen statt.
Auszeichnungen und Preise
2009 Nationaler Preis für integrierte Stadtentwicklung und Baukultur
2008 denkmal-Goldmedaille
2007 ausgezeichneter Ort im Rahmen von „365 Orte im Land der Ideen“

Wächterhäuser zu Anfassen © Verein HausHalten e.V.