2011
Eisenhüttenstädter Wohnungsbaugenossenschaft e.G. (EWG)
Schwerter zu Pflugscharen, Atomkraftwerke zu Freizeitparks, Tanzpaläste zu Verwaltungszentralen – wenn es so einfach wäre… Ist es aber nicht.
Die Stadt Eisenhüttenstadt – einst sozialistische Planstadt – hatte ein Problem: Die Großgaststätte „Aktivist“ – seit 1954 HO-Gaststätte mit mehr als 600 Plätzen, Tanzcafé und Bierlokal – rottete vor sich hin. Seit 1991 stand das von den Architekten Hermann Enders und Heinz Scharlipp im Stil der „Nationalen Bautradition“ errichtete Denkmal leer. Wo einst Hunderte Menschen jeden Samstagabend schwoften und sich die Arbeiter des Eisenhüttenkombinats Ost ihr Feierabendbier gönnten, wollte niemand mehr das gastronomische Wagnis eingehen. Eine schier aussichtslose Situation.
Da überzeugte 2007 der Vorstand der Eisenhüttenstädter Wohnungsbaugenossenschaft seine Mitglieder, fünf Millionen Euro zu aktivieren und das kulturhistorisch bedeutende Gebäude denkmalverträglich zu sanieren. Die Wohnungsbaugenossenschaft wollte hier ihren neuen Geschäftssitz nehmen. Dafür waren schwierigste Probleme zu lösen, z. B.: Wie bringt man zahlreiche Einzelbüros unter, ohne den Gesamteindruck des Saales zu zerstören? Wie geht man mit der Dämmung des Hauses um? Wie restauriert man die Holzverkleidungen aus Schweizer Birnbaum, die aufwendigen Stuckverzierungen und Deckenmalereien? Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Unternehmens finden keine optimalen Büros vor – und dennoch: Die Rettung dieses Hauses ist ein herausragendes Beispiel. Hier trafen risikofreudige Bauherren auf kreative Architekten und kluge Denkmalschützer. Den Eisenhüttenstädtern ist ein wichtiger identitätsstiftender Ort der Stadtkultur zurückgegeben.
Die Retterin der Großgaststätte „Aktivist“, genannt „Aki“, Verena Rühr- Bach, Vorstandsvorsitzende der Eisenhüttenstädter Wohnungsbaugenossenschaft e.G., erhält für ihren Mut und ihr Engagement die Silberne Halbkugel.
Über die Eisenhüttenstädter Wohnungsbaugenossenschaft e.G. (EWG
Die Eisenhüttenstädter Wohnungsbaugenossenschaft e.G. (EWG) erwarb 1996 den Aktivisten von der Treuhand. Grundidee war die Schaffung eines Ausstellungszentrums, das sich als gemeinschaftliches Projekt mit anderen innerstädtischen Unternehmen mit der Geschichte der DDR beschäftigen sollte. Das Konzept war letztendlich wirtschaftlich nicht darstellbar, da die Projektgemeinschaft ihre unterschiedlichen Auffassungen nicht vereinen konnten. Die EWG allein war nicht in der Lage, das Konzept zu realisieren. Der „Aki“ verfiel weiter.
Als der zentral gelegene Aktivist geschlossen wurde, hatte die Stadt rund 52.000 Einwohner. In den Jahren seit der Wende verlor die Stadt 40 % ihrer Einwohner, sie entwickelt sich durch den Stadtumbau Ost von außen nach innen in ihre Entstehungsquartiere zurück. Der ehemalige Geschäftssitz der EWG verlor deshalb immer mehr an Attraktivität, die Lage des Aktivisten wurde gleichzeitig für die EWG als Eigennutzer interessant. Es dauerte nicht lang, bis der Vorstand beschloss, den Sitz der Genossenschaft in den „Aki“ zu verlegen.
Als die ersten Arbeiten im Jahr 2009 begannen, stand das Gebäude nunmehr 18 Jahre leer. Mit den Arbeiten am Bau wurden Archive und Literatur durchforstet, um den Aktivist so originalgetreu wie möglich instand zu setzen.
Wir behaupten, dass mit der Wiederherstellung und Modernisierung des Denkmals „Aktivist“ neue Wege zwischen Bauherren, Denkmalpflegern und städtischen Behörden beschritten wurden.
Mehr als 20 Firmen größtenteils aus der Region haben sich an der Sanierung beteiligt. Zur Wiedereröffnung des Aktivisten am 11. September 2010 kamen mehr als 6.000 Gäste. Zwischenzeitlich führte die EWG mehrere Tage der offenen Tür durch, da das Interesse am „Aki“ in der Bevölkerung ungebrochen ist. Er war und ist ein Wahrzeichen der Stadt Eisenhüttenstadt. Sie lieben ihn.

Geschäftsführerin Verena Rühr-Bach © Verena Rühr-Bach
Der „Aktivist“ nach dem Umbau © EWG