Aktuelles

18.02.2010

Stellungnahme zur Fortsetzung der Stiftungsprofessur STADTUMBAU UND STADTFORSCHUNG sowie des Masterstudiengangs DENKMALPFLEGE UND STADTENTWICKLUNG

Stellungnahme des Wissenschaftlichen Beirats des Görlitz Kompetenzzentrums Revitalisierender Städtebau anlässlich seiner Sitzung am 5. Oktober 2009

1. Der wissenschaftliche Beirat des Görlitz Kompetenzzentrums Revitalisierender Städtebau hat erfreut zur Kenntnis genommen, dass die Technische Universität Dresden, Fakultät Architektur, nach längerer Ungewissheit die Stiftungsprofessur Stadtumbau und Stadtforschung nun nach Auslauf der Förderung durch den Stifter nahtlos weiterführt. Gleichzeitig würdigt der Beirat nochmals die weitblickende Initiative der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, des Stifters, und insbesondere die Idee von Prof. Dr. Dr.-Ing. E. h. Gottfried Kiesow, mit ihrem nun zu Ende gehenden fünfjährigen Stiftungswerk an der TU Dresden neue und zukunftsweisende Impulse gegeben zu haben. Auch die TU Dresden hat das Profil der Stiftungsprofessur bei deren Einrichtung als zukunftsweisend im Wettbewerb des universitären Angebots bezeichnet. Die konsequente und haltbare Weiterführung der Stiftungsprofessur und des Görlitz Kompetenzzentrums auf dem bisher erreichten hohen Forschungsniveau wird nachdrücklich unterstützt.

2. Der Beirat sieht eine große Chance für die TU Dresden darin, die zukünftige städtebauliche Ausbildung in Verbindung mit der Entwurfslehre und Stadtforschung an der Dresdner Architekturfakultät neu zu diskutieren. Aus seiner Sicht wäre die stärkere Vernetzung und disziplinübergreifende Betrachtung der Fachgebiete Stadtentwicklung, Städtebau und Denkmalpflege eine erfolgversprechende Schwerpunktsetzung. Vor allem in ostdeutschen Städten, aber auch in zunehmendem Maß in der kommunalen Städtebaupraxis westdeutscher Städte wird diese integrative Betrachtung zukünftig an Bedeutung gewinnen, wodurch sich mit einem derartigen Fachprofil ein besonderer Standortvorteil für die TU Dresden ableiten würde. Je höher die Anforderungen an den integrativ konzipierten Städtebau sind, die sich aus den Fachgebieten Baukultur, soziale Integration (Umgang mit dem Erbe großer Wohnbaugebiete am Stadtrand), Ökonomie (Tragfähigkeit/Investitionsbedingungen), Klimaschutz und Energiesparen ergeben, um so größer wird die interdisziplinäre Qualifikation in den einzelnen Fachgebieten sein müssen. So gesehen könnten "Stadtumbau" und "städtebaulicher Denkmalschutz" zu den Kernthemen eines zukunfts- und praxisorientierten städtebaulichen Entwerfens werden.

3. Der Beirat empfiehlt der Fakultät Architektur der Technischen Universität Dresden, den begonnenen Weg, den sie mit dem Aufbau des Görlitz Kompetenzzentrums und des Masterstudiengangs Denkmalpflege und Stadtentwicklung so erfolgreich beschritten hat, konsequent weiter zu verfolgen. "Ganzheitlicher Stadtumbau" und "städtebaulicher Denkmalschutz" werden als richtungweisende Disziplinen in Lehre und Forschung für die kommenden 10 bis 15 Jahre angesehen. Umso wichtiger ist es, eine hoch qualifizierte Fachpersönlichkeit als Nachfolge für die Stiftungsprofessur Stadtumbau und Stadtforschung zu sichern. Folgerichtig muss auch eine entsprechend angemessene Dotierung der Professur (W3) gegeben sein.

4. Sofern die Fakultät Architektur diesen Überlegungen folgen könnte, wäre es aus der Sicht des Beirats dringend geboten, die bisherige Professur Denkmalkunde und angewandte Bauforschung, als zweites Standbein des interdisziplinären Masterstudiengangs, so rasch wie möglich auszuschreiben und wieder zu besetzen. Immerhin war es auch für die Deutsche Stiftung Denkmalschutz ein großes Anliegen, beide Fachgebiete (Stadtentwicklung und Denkmalpflege) so eng wie möglich miteinander zu verknüpfen. Der Masterstudiengang Denkmalpflege und Stadtentwicklung ist heute deutschlandweit als richtungweisender Aufbaustudiengang und „Dresdner Spezialität“ in Lehre und Forschung verankert. Dies belegt die Weitsicht mit der vor knapp 10 Jahren dieser Schwerpunkt an der TU Dresden initiiert wurde.

5. Unter der ganzheitlichen und zukunftsweisenden Betrachtung der Leerstandsproblematik historischer Stadtviertel, Baukultur, sozialer Integration, Klimawandel und Energiesparen würde die TU Dresden, Fakultät Architektur mit der engen Verknüpfung beider Professuren eine besondere, fächerübergreifende Qualifikation erfahren. In der engen fachlichen Kombination von „behutsamem Stadtumbau“ und „städtebaulichem Denkmalschutz“ würde sich eine zukunftsgerichtete Städtebauausbildung und Stadtforschung an der TU Dresden für die kommenden 15 Jahre realisieren lassen.

Der Wissenschaftliche Beitrat des Görlitz Kompetenzzentrum Revitalisierender Städtebau
Dresden, 05.Oktober 2009 mit seinen Mitgliedern:

Susan Beyer, Referentin Sächsischer Städte- und Gemeindetag e. V., Dresden
Michael Bräuer, Architekt und Stadtplaner, Rostock
Dr. phil. Dr. Ing. Bernd Hunger, Referent Wohnungsbau, Städtebau, Forschung und Entwicklung, GdW Bundesverband Deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V., Berlin
Prof. Dr. Wolfram Jäger, Dekan Fakultät Architektur, Technische Universität Dresden (TUDD)
Prof. Dr. Dr.-Ing. E. h. Gottfried Kiesow, Vorstandsvorsitzender Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Prof. Dr. Michael Krautzberger, Vorstandsmitglied Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Dr. Engelbert Lütke Daldrup, Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS), Berlin
Prof. Dr. Vittorio Magnago Lampugnani, Professur für Geschichte des Städtebaus, und Leiter des Netzwerkes Stadt und Landschaft (NSL) der Eidgenössische Technischen Hochschule (ETH) Zürich
Prof. Dr. rer. pol. Heinrich Mäding, Vizepräsident der Akademie für Raumforschung und Landesplanung (ARL), Hannover
Martin zur Nedden, Bürgermeister Stadtentwicklung und Bau, Stadt Leipzig
Dr. Andrea Pufke, Geschäftsführerin Deutsches Nationalkomitee für Denkmalschutz, Bonn
Percy Rooks, Abteilungsleiter Stadtentwicklung, Bau- und Wohnungswesen im Staatsministerium des Innern vom Freistaat Sachsen (SMI), Dresden
Siegfried Schneider, Verbandsdirektor des vdw Sachsen Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft e. V., Dresden
Prof. Dr. Vladimir Šlapeta, Dekan Fakultät Architektur, Technische Universität Brno
Dr. Michael Wieler, Bürgermeister für Ordnung, Sicherheit, Bau, Kultur, Jugend, Schule & Soziales, Stadt Görlitz


Weitere Themen der Beiratssitzung:

 

Modellvorhaben Nationale Stadtentwicklungspolitik: TRINITAS – Stadt-Wert-Schätzung. Stadtwertspiegel zur integrierten Darstellung ökonomischer und städtebaulicher Werte von ausgewählten Innenstadtquartieren
Die Mitglieder des Beirats begrüßen den im Rahmen des Modellvorhabens TRINITAS verfolgten Ansatz, die Belange von Baukultur, Städtebau und Ökonomie integral zu betrachten und miteinander zu vernetzen. Der zu beobachtende allgemeine Trend, Qualitäten in numerische Größenangaben bzw. monetäre Wertsysteme zu überführen, um sie mess- und vergleichbar zu machen, wird von den Anwesenden für den Kontext der Stadtentwicklung kritisch hinterfragt. Hingewiesen wird auf die Gefahr im Modellvorhaben TRINITAS durch die Entwicklung eines Kriterienkatalogs ein zu einseitiges Zertifizierungsverfahren etablieren zu wollen, das der Komplexität der Wirkungszusammenhänge nicht gerecht werden kann. Vielmehr sind die Präzisierung des Vorgehens und Entwicklung erforderlicher Abstimmungsstrukturen Gegenstand des Modellvorhabens. In der Diskussion wird darauf hingewiesen, dass es vom Bundesministerium ein ExWoSt-Vorhaben gibt, das sich mit der Zertifizierung von Stadtquartieren auseinandersetzt. Es wird der Vorschlag unterbreitet, dass sich das Kompetenzzentrum stärker in diesen Diskussionsprozess einbringt, da das Thema Zertifizierung an einem zentralen Nerv ansetze.

Zukunftsthemen
Der Beirat empfiehlt, dass das Kompetenzzentrum auch in Zukunft verstärkt mit Institutionen aus der Praxis zusammenarbeitet. Es fungiere als eine Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Praxis. Dies sei ein bedeutendes Alleinstellungsmerkmal, das in Zukunft weiter gepflegt, wenn nicht gar noch mehr ausgebaut werden müsse. Ein Schwerpunkt des Kompetenzzentrums sollte es überdies sein, an einer besseren Vernetzungs- und Kommunikationsstruktur in unterschiedlichen Fachverwaltungen mitzuwirken.
Von Seiten des Beirats wird weiterhin empfohlen, die Wohnungswirtschaft zukünftig als Partner in Stadtentwicklungsprozesse stärker einzubinden. Es wird vorgeschlagen, dass in einem der nächsten Denksalons das Verhältnis von Stadtentwicklung, Wirtschaft und Wohnungswirtschaft genauer untersucht wird. Als ein weiteres zukunftsträchtiges Thema wird die Verknüpfung von Innenstadtentwicklung und Klimaschutz erachtet. Energetische Sanierung ist bundesweit zum wichtigen Thema avanciert. Generell seien die Anforderungen an die qualitative Bestandsentwicklung ein zukunftsweisendes Thema. Die europäischen Innenstädte hätten durch ihre Kompaktheit einen entscheidenden Standortvorteil. Es wäre interessant den Aspekt der energetischen Sanierung im Quartierszusammenhang zu betrachten. Was bedeutet Klimaschutz für Revitalisierenden Städtebau? Historische Gebäudestrukturen seien schwer energetisch zu sanieren. Daher könnte der Fokus auf neuere innerstädtische Gebäude gelegt werden. Es wäre weiterhin interessant große Energieunternehmen in die Debatte der energetischen Gebäudesanierung einzubeziehen.

(Quelle: Kompetenzzentrum Revitalisierender Städtebau)