© Katrin Vetters

Villa Glaeser © SWR

2010 Journalistenpreis

Katrin Vetters

Autorin, Südwestrundfunk (SWR) Mainz

Das Thema Kultur hat es nicht leicht im Vorabendprogramm des Fernsehens. Noch schwerer hat es das Thema Denkmalpflege. Katrin Vetters hat einen originellen Weg gefunden, es auch Zuschauern nahezubringen, die sich sonst nicht dafür interessieren dürften: Sie versuchte die Menschen bei deren „Schnäppchenmentalität“ zu packen, zumal in einem Bundesland mit überdurchschnittlich hoher Quote an Eigenheimbesitzern. Mit der Reihe „Denkmal zu verkaufen“ präsentiert Katrin Vetters an fünf aufeinanderfolgenden Tagen in der SWR-„Landesschau Rheinland-Pfalz“ Baudenkmale, die eines neuen Eigentümers harren, welcher sie sanieren und wieder oder auf neue Weise nutzen möge. Dabei spannt sich der Bogen von einem in den vergangenen dreihundert Jahren kaum veränderten Winzerhof aus dem 17. Jahrhundert über eine klassisch-moderne Villa mit gut erhaltener Innenausstattung, ein ausgedientes Bahnstellwerk und ein Anwesen im Landhausstil bis hin zu einem klassizistischen Herrenhaus, das für einen Euro zu haben ist.

In den jeweils nur wenige Minuten langen Beiträgen werden unter Beteiligung der Denkmalpflege Geschichte und Eigenart, Denkmalwert und Sanierungsbedarf der Bauwerke knapp angerissen. Der unmittelbare Nutzen, diesen „Pflegefällen“ womöglich finanziell potente Liebhaber verschaffen zu können, welche die Bauwerke hoffentlich retten, fungiert dabei als Vehikel. Denn unaufdringlich, ganz nebenher, gelingt es mit den kurzen Filmen auch, in dafür eher unüblichem Programmumfeld einen Einblick in die Arbeit, den Sinn und Nutzen staatlicher Denkmalpflege zu vermitteln, zumindest eine Ahnung von der Bedeutung des baulichen Erbes insgesamt und ein Stückchen Stil- und Heimatkunde.

Eine vorbildliche Initiative, verdient die auf der Bild- wie der Tonebene sorgfältig gestaltete kleine Serie nicht nur eine Neuauflage in der „Landesschau Rheinland-Pfalz“. Sie sollte bei jedem aktuellen Regionalmagazin des Fernsehens Nachahmer finden. Für diese hervorragende Leistung erhält Katrin Vetters Journalistenpreis.

Lebenslauf
* 1964 in Bonn; Studium der Japanologie, Publizistik und Soziologie; Auslandsaufenthalte in Irland und Japan;
Journalistisch tätig seit 1985; bis 1996 überwiegend für Zeitungen und Zeitschriften; 1996-97 Ausbildung zur Radioredakteurin; bis 1999 freie Autorentätigkeit für verschiedene ARD-Hörfunkprogramme; seit 1999 freie Autorin und Redakteurin für das SWR Fernsehen, Mainz, Redaktion Landesschau Rheinland-Pfalz.

Arbeitsschwerpunkte
Wie lassen sich unsere Bedürfnisse nach Wohnen, Nahrung, Komfort, Mobilität erfüllen, ohne dass wir dabei die Umwelt zerstören? Wie können wir unsere Bauten und Infrastruktur zukunftsfähig machen? Projekte und Ideen, die auf diese Fragen Antworten versprechen, stehen oft im Mittelpunkt meiner Arbeit. Etwa, wenn ein Ludwigshafener Wohnungsbauunternehmen 60er-Jahre-Mietshäuser zu Passivhäusern umbaut oder ein Architekt den denkmalgeschützten Wormser Wasserturm zum Wohnturm umrüstet. Für die Eigentümer von Altbauten und besonders von denkmalgeschützten Bauwerken kommen oftmals persönliches Risiko und gesellschaftliche Verantwortung zusammen. Dieses Spannungsfeld birgt Geschichten, die sich auch für ein breites Publikum interessant darstellen lassen.

Rheinland-Pfalz ist ländlich geprägt, und die demografische Entwicklung und der Trend in die Ballungsräume machen große Investitionen auf dem Land unrentabel. Die ländliche Idylle, die Nostalgie alter Gebäude, machen sich gut im (Fernseh-)Bild, doch die Situation von Baudenkmalen in der Provinz ist besonders prekär. Chancen zur Umnutzung bestehen oft nur, wenn die Gegend touristisch beliebt ist oder die Wirtschaft aus anderen Gründen floriert. Letztlich geht es darum, wirtschaftliche, ästhetische und ökologische Ziele unter einen Hut zu bringen. Das birgt Konfliktpotenzial und ist, wenn es beispielhaft gut gelingt oder dramatisch scheitert, darstellenswert.

Mein Interesse für Altbausanierung geht über die journalistische Arbeit hinaus und beschäftigt mich auch in der Praxis.
 

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