Stefanie Müller-Frank © Deutschlandradio-Bettina Straub

Großsiedlung Siemensstadt © Landesdenkmalamt Berlin, Wolfgang Bittner

2010 Journalistenpreis

Stefanie Müller-Frank

Autorin, Deutschlandradio Kultur, Berlin

Es sind die kleinen Dinge des Alltags, bei denen die Bewohner in Berlins Siedlungen der Moderne bisweilen an ihre Grenzen geraten – die der Geduld, des Verständnisses und die des Machbaren. Ob Markisen über dem Balkon, Obstbäume im Garten oder farbig gestrichene Fenster: Für alles gibt es strenge Regeln. Und doch sind sie es, die Bewohner, die diese Baudenkmale lebendig erhalten.

Stefanie Müller-Frank, Autorin von Deutschlandradio Kultur, stellt in ihrer Reportage „Wohnen im Denkmal – die Siedlungen der Berliner Moderne“ jene Wohnkomplexe vor, die zwischen 1913 und 1934 die Arbeiter Berlins aus übervölkerten Mietskasernen mit dunklen Hinterhöfen befreien sollten. Dazu gehören: Die Gartenstadt Falkenberg, die Britzer Hufeisensiedlung, die weiße Stadt in Reinickendorf, der Schillerpark im Wedding und die Siedlung Carl Legien im Prenzlauer Berg.

Moderne, bezahlbare Wohnungen wollten Architekten wie Bruno Taut und Martin Wagner in der Großstadt Anfang des 20. Jahrhunderts schaffen – mit festgelegter Mindestgröße, eigener Küche, eigenem Bad, mit Balkon oder Garten. 2008 wurden diese Siedlungen Unesco-Welterbe. Nicht alle Bewohner fanden dafür Verständnis.

Zugang zu der großen Frage, wie sich Denkmalpflege und heutiger Alltag vereinbaren lassen, schafft Stefanie Müller-Frank, indem sie einfühlsame Porträts der Bewohner zeichnet: Die Rentnerin, die gern einen Lift vom Balkon in den Garten anbringen möchte, aber nicht darf, der Herr, der japanische Touristen einlädt, seine Wohnung zu besichtigen, die Gartenarchitektin, die dringend noch den obligatorischen Vorgartenbaum pflanzen müsste. Dadurch, dass sich die Autorin intensiv mit diesen Fragen auseinandersetzt, schafft sie ein Bewusstsein für die großen Themen des Denkmalschutzes – immer konkret, immer lebensnah. Auf positive, leichte Art vermittelt Stefanie Müller-Frank: Leben im Denkmal – es ist auch viel Arbeit. Für diese herausragende Reportage verleiht ihr das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz einen Journalistenpreis 2010.

Lebenslauf
* 1977, hat Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaften sowie Kunstgeschichte an der Freien Universität Berlin studiert. Nach einem Volontariat bei Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur arbeitete sie ein Jahr lang als Redakteurin und Moderatorin in der Abteilung “Reportage und Hintergrund” im Berliner Funkhaus. Seit 2008 ist sie als freie Journalistin tätig, produziert lange Reportagen und Features für das Deutschlandradio und den ARD-Hörfunk zu Themen aus Gesellschaftspolitik, Stadtentwicklung, Reise, Land und Leute. Außerdem schreibt sie für DIE ZEIT, den Tagesspiegel und die Berliner Zeitung.

Arbeitsschwerpunkte
Ob Demographischer Wandel, Stadtumbau, Gentrifizierung oder der Streit um Minarette – in meinen Reportagen versuche ich, gesellschaftlichen Trends ein Gesicht zu geben. Immer erzähle ich Geschichten von Menschen: Wie soziologische Entwicklungen ihren Landstrich prägen und verändern. Wie politische Entscheidungen in den Alltag ihres Viertels eingreifen – und damit auch in ihr Leben.

Nicht selten lässt sich das übrigens auch an Bauwerken festmachen und schildern: Die Berliner Siedlungen der Moderne, jene visionäre Mischung aus sozialem Wohnungsbau und fortschrittlicher Architektur, sind dafür ein gutes Beispiel.

Beispiele einiger Reportagen und Features:
- “Der Letzte macht das Licht aus – Wohnen zwischen Abrissbaggern im Plattenbau in Schwedt an der Oder” (Deutschlandradio Kultur 2007)
- “Noch nicht abgegrast – Die neue Kunstadresse Heidestraße in Berlins Mitte” (Deutschlandradio Kultur 2008)
- “Designermode statt Reizwäsche – Wie Amsterdam sein Rotlichtviertel aufpoliert” (Deutschlandfunk 2009)
- “Ein gesegneter Landstrich – Das Stiftland in der bayerischen Oberpfalz” (DIE ZEIT 2009)
- “Über Kreuz – Der Streit um religiöse Symbole im öffentlichen Raum” (Deutschlandradio Kultur 2010)
 

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