Gießhalle oder Ofenbühne © Förderverein Stahlmuseum Brandenburg

2010 Silberne Halbkugel

Förderverein Stahlmuseum e.V.

Brandenburg an der Havel

Die deutsche Einheit führte zum Ende großer Industriezweige im Osten. So auch in Brandenburg an der Havel. 10.000 Menschen produzierten dort seit 1914 Stahl. Für ihr Werk fand sich nach der Wende kein Investor. 1993 wurde das Werk geschlossen. In den Folgejahren fielen die elf charakteristischen, stadtbildprägenden Stahlwerkschornsteine – Wahrzeichen von Brandenburg; fünf Tieföfenschornsteine wurden gesprengt. Dies wäre dem gesamten Werk widerfahren, hätten sich nicht Sieglinde von Treskow und ihr „Förderverein Stahlmuseum Brandenburg an der Havel“ dagegen gestemmt. Es gelang ihnen, einen Teil der Anlagen zu bewahren.

Heute zeigt das Industriemuseum eindrucksvoll die Geschichte der Stahlproduktion in Ostdeutschland. Jährlich kommen mehr als 10.000 Besucher. Sie sehen den letzten in Westeuropa erhaltenen Siemens-Martin-Ofen sowie die dazugehörigen Anlagen zum Beschichten, Schmelzen und Gießen. Sie besuchen Gießhalle, Werkstätten, Schmiede, Labor, Meisterstube und Fuhrpark.

Der Verein hat seit 1998 den gesamten Denkmalbereich in der Stahlwerkshalle gepachtet. Nach zähen Auseinandersetzungen mit Eigentümern, Investoren und Verwaltern betreibt er nun erfolgreich das Museum. Mit überragendem Engagement sorgen seine Mitglieder – viele davon frühere Stahlwerker – für lebendige und kreative Museumsarbeit. Sieglinde von Treskow und ihre Mitstreiter bewahren und beleben ein authentisches Zeugnis ostdeutscher Industrie-Geschichte. Dafür verleiht ihnen das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz eine Silberne Halbkugel.

Über den Förderverein
Das Industriemuseum Brandenburg an der Havel ist 1992 als ABM-Projekt gegründet worden. Ehemalige Arbeiter und Angestellte des Betriebes begannen unter Leitung von Frau Dr. Sieglinde von Treskow mit den Arbeiten zum Aufbau des Museums. Die Projektarbeit war von Anfang an auf die Sicherung der umfangreichen Materialien zur Geschichte des Betriebes und auf den Erhalt der einmaligen technischen Zeugnisse der Industriegeschichte ausgerichtet.

Im März 1994 gründeten ehemalige Werksangehörige den Förderverein Stahlmuseum e. V.. Der Vorstand des Fördervereins Stahlmuseum e.V. ist seither ehrenamtlich tätig, die Vereinsmitglieder unterstützen ebenso ehrenamtlich die Museumsarbeit bei der Vorbereitung von Ausstellungen, Publikationen und Projekten.

1998 unterzeichneten der Förderverein Stahlmuseum e.V., der Liquidator der Stahl- und Walzwerk GmbH und der Recyclingpark Brandenburg an der Havel GmbH einen Pachtvertrag zur musealen Nutzung des Denkmalbereichs.
1998 beantragte der Förderverein Stahlmuseum e. V. Fördermittel bei der EU und des Landes Brandenburg für den Bau eines Museumsgebäudes. Die beantragten Mittel wurden bewilligt, das Museumsgebäude im Jahr 2000 eingeweiht und der Verein übernahm die Trägerschaft für das Industriemuseum. Der Förderverein als freier Kulturträger kann keine langfristige Finanzierung gewährleisten, die jährliche Förderungen des Landes Brandenburg und der Stadt Brandenburg an der Havel sichern jedoch die Grundfinanzierung der Museumsarbeit.

Das Herzstück des Industriemuseums ist der Siemens-Martin-Ofen, der denkmalgerechte Erhalt, die Wartung und Präsentation der technischen Anlagen stehen daher im Mittelpunkt der Museumsarbeit. Die Mehrheit der Besucher nehmen an Führungen teil, die von ehemaligen Stahl- und Walzwerkern durchgeführt werden.

 

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