Eckhard Herrel @ © Barbara Staubach, ernst-may-gesellschaft e.V.

Musterhaus, Ernst-May-Siedlung © Barbara Staubach, ernst-may-gesellschaft e.V.

2010 Silberne Halbkugel

Dr. Eckhard Herrel

Vorsitzender ernst-may-gesellschaft, Frankfurt

Ernst May gehörte zu den Architekten des Neuen Bauens, dessen Umgang mit historischen Bauten besonders radikal war. Inzwischen sind seine Bauten selbst Gegenstand der Denkmalpflege geworden. In seiner Zeit als Stadtbaurat von 1925-1930 wurde in Frankfurt am Main eines der umfangreichsten Siedlungs-Bauprogramme in Deutschland verwirklicht. Die Bauten des „Neuen Frankfurt“ zählen neben den Berliner Siedlungen der 1920er Jahre, heute ein Welterbe der UNESCO, zu den herausragenden Beispielen des Wohnungsbaus der frühen Moderne in Deutschland.

Der Erhalt dieser Gebäude stellt die Denkmalpflege vor eine schwierige Aufgabe, denn die Kleinwohnungen sind immer wieder an sich ändernde Wohnansprüche angepasst worden. Mit der Gründung der ernst-may-gesellschaft 2003 schloss sich ein Kreis von Unterstützern zusammen, die sich die denkmalgerechte Erhaltung des Werks von Ernst May und die öffentliche Darstellung seiner Bedeutung zum Ziel gesetzt haben.

Von Anfang an dabei war Dr. Eckhard Herrel der heutige Vorsitzende des Vereins. Im Rahmen seiner Dissertation hatte er sich mit dem Werk von Ernst May in Ostafrika auseinandergesetzt. Da lag es für ihn nahe, sich auch der Bauten von Ernst May anzunehmen, die vor seiner Haustür in Frankfurt liegen. Durch Führungen, Presseaktivitäten, Vorträge und wissenschaftliche Tagungen versuchen Herrel und seine Mitstreiter im Verein die Bedeutung der häufig spröde erscheinenden Architektur von May der Öffentlichkeit nahe zu bringen. 2006 gelang es, ein Reihenhaus in der Römerstadt anzumieten. Das Haus wurde in den ursprünglichen Zustand zurückgeführt und mit dem entsprechenden Mobiliar ausgestattet. Es dient als Veranstaltungsort und Museum.

Es ist dem unermüdlichen Einsatz von Dr. Eckhard Herrel und der ernst-may-gesellschaft zu verdanken, dass die häufig noch ungeliebte moderne Architektur des Neuen Frankfurt entsprechend seiner internationalen Bedeutung bewahrt, dokumentiert und erfahrbar gemacht wird. Diese Leistung wird mit dem Deutschen Preis für Denkmalschutz in Form der Silbernen Halbkugel ausgezeichnet.

Lebenslauf
* 1949 in Hannover; 1972–1978 Studium der Betriebswirtschaftslehre an der FH Pforzheim und Freie Universität Berlin; 1985-1988 Studium der Kunstgeschichte und Archäologie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main; 1999 Promotion zum Dr. phil. mit einer Forschungsarbeit über Ernst Mays Tätigkeit in Afrika von 1934-1953; ausgezeichnet mit dem Ludwig-Landmann-Preis; Langjährige Tätigkeit in der Bauindustrie und Architekturbranche; Freie Mitarbeit am Deutschen Architektur-Museum Frankfurt am Main; Lehrtätigkeit an der Justus-Liebig-Universität Giessen, Institut für Kunstgeschichte; Gründungsmitglied und Vorsitzender der ernst-may-gesellschaft e.v.

Am 31. Januar 2003 gründen Architekten und Kunsthistoriker in Frankfurt am Main die ernst-may-gesellschaft e.v. Ziel des gemeinnützigen Vereins ist die Einrichtung und Trägerschaft eines Musterhauses in der Siedlung Römerstadt. Außerdem wird die Schaffung eines Wohnstipendiums in einem Haus bzw. einer Wohnung in einer der Siedlungen des Neuen Frankfurt angestrebt. Mit wachsendem Zuspruch aufgrund zahlreicher Aktivitäten, durch eine starke Presseresonanz und nach intensiven Gesprächen mit Politikern war es im März 2006 so weit: Die ernst-may-gesellschaft mietete ein Reihenhaus Im Burgfeld 136 an, für das die Frankfurter Oberbürgermeisterin Dr. h.c. Petra Roth die Schirmherrschaft übernahm.

Ausgewählte Publikationen
Ein Haus für Ernst May und das ‚Neue Frankfurt’ in der Römerstadt, in: Denkmalpflege & Kulturgeschichte, 2/2005, S. 43
Ernst May. Architekt und Stadtplaner in Afrika 1934-1953 (Wasmuth 2001).
Ernst May (1886-1970). Ein Frankfurter Architekt und Städteplaner plant und baut in Ostafrika, in: Denkmalpflege & Kulturgeschichte, 1/2001, S. 44-51.
Die Bedeutung der Farbe in der modernen Architektur, in: Ausstellungskatalog Moderne Architektur in Deutschland 1900 – 1950, 1993, S. 99-116.

 

Nach oben drucken Kontakt | Impressum | © Deutsches Nationalkomitee für Denkmalschutz