v. l.: Martin Bredenbeck, Constanze Moneke, Martin Neubacher

Beethovenhalle Bonn, 2010 © Frank Fremerey

2010 Silberne Halbkugel

Initiative Beethovenhalle des Kunsthistorischen Instituts der Universität Bonn

Bonn

Nachdem Bundespräsident Theodor Heuss im März 1956 den Grundstein zur Bonner Beethovenhalle (Architekt Siegfried Wolske) gelegt hatte, entwickelte sich dieser Bau alsbald nicht nur zum neuen kulturellen Zentrum der Stadt Bonn, sondern auch zum Inbegriff einer sich in modernen Gebäuden darstellenden jungen demokratischen Gesellschaft in der Bundesrepublik Deutschland. Bis in die jüngste Zeit behielt die Beethovenhalle sowohl durch ihre architektonische Qualität als auch durch die mit ihr verbundenen politischen Ereignisse ihre weit über die Stadtgrenzen hinauswirkende Bedeutung.

Die Öffentlichkeit war überrascht, als die Stadt Bonn im Jahre 2009 erwog, diese einzigartige und nach wie vor beliebte Ikone der Moderne ausgerechnet im 50. Jahr ihrer Existenz der Idee eines neuen Festspielhauses durch Abbruch zu opfern und dafür auch die Denkmaleigenschaft des Hauses zur Disposition zu stellen.

Zahlreiche Protestaktionen eines breitgefächerten Bürgerwillens waren die Folge. Schnell erwarb sich dabei die "Initiative Beethovenhalle des Kunsthistorischen Instituts der Universität Bonn", die sich aus Studierenden sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Instituts zusammensetzt, das große Verdienst, einer wissbegierigen Öffentlichkeit die politische, historische, städtebauliche und baukünstlerische Bedeutung der Beethovenhalle durch breit angelegte Ausstellungen, Kolloquien, Publikationen und zahlreiche Führungen zu vermitteln und dadurch das Interesse am Erhalt des Denkmals zu wecken. Ohne finanzielle Ressourcen vermochte ein kleiner Kreis Engagierter die Gefahr einer leichtfertigen Vernichtung der Beethovenhalle bundesweit eindringlich darzustellen und - unabhängig vom kürzlich erfolgten Widerruf des Abrissbeschlusses - die Bonner Bevölkerung wie die Medien für ihren Erhalt zu sensibilisieren.

Das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz würdigt durch die Auszeichnung der "Initiative Beethovenhalle des Kunsthistorischen Instituts der Universität Bonn" mit der Silbernen Halbkugel ihren beispielgebenden und phantasievollen Einsatz zur Rettung eines Baus von zweifelsfrei überregionaler Bedeutung. Die Initiative ist Vorbild für einen bürgerschaftlich getragenen verantwortungsbewussten Denkmalschutz zur Erhaltung eines der derzeit gefährdeten Baudenkmale der Nachkriegsmoderne.
 
Über die Initiative Beethovenhalle

Die studentische Initiative Beethovenhalle gründete sich im Mai 2009 aus dem Oberseminar von Prof. Dr. Hiltrud Kier am Kunsthistorischen Institut der Universität Bonn. Anlass waren die öffentlichen Diskussionen in Bonn um die Neuerrichtung eines „Festspielhauses Beethoven“. Starke Kräfte, darunter die Stadtspitze, waren bereit, für den an sich begrüßenswerten Neubau die seit bereits 20 Jahren denkmalgeschützte Beethovenhalle abreißen zu lassen, da angeblich nur deren Grundstück als Bauplatz geeignet sei.

Den 50. Geburtstag der Halle feierte die Initiative mit einer Fotoausstellung mit Bildern des Bonner Architekturfotografen Hans Schafgans, die die Beethovenhalle während der Entstehungszeit und nach ihrer Einweihung zeigen. Zweite Station der Ausstellung in einem Überseecontainer im Hofgarten der Bonner Universität (am Alten Zoll).

Im November 2009 richtete die Initiative ein wissenschaftliches Kolloquium „brennpunkt beethovenhalle“ aus, an dem zahlreiche prominente Vertreter von Denkmalpflege, Architekturgeschichte, Stadtgeschichte und Lokalpolitik teilnahmen. Die Ergebnisse und Fachbeiträge, ergänzt durch Beiträge der Studierenden, konnten wurden im Mai 2010 in der Publikation „Beethovenhalle Bonn – Konzerthaus. Festsaal. Denkmal.“ veröffentlicht.

Seit September 2009 bieten die Studierenden regelmäßig kostenlose kunsthistorische Führungen an, um ein neues Bewusstsein für die oft bereits vergessenen, nicht mehr verstandenen baukünstlerischen Qualitäten sowie für die städtebauliche Bedeutung der Beethovenhalle als bedeutendes Denkmal der 1950er Jahre zu bewirken.

Den Kern der Initiative bilden Martin Bredenbeck, Constanze Moneke und Martin Neubacher. Zahlreiche Studierende, besonders Friederike Botzenhardt, Nataliya Demir-Karbouskaya, Nadine Fröbel, Antje Grimm, Wolfgang Kirschbaum, Stefanie Odenthal und Julia Strunk sowie Mitarbeiter des Kunsthistorischen Instituts unterstützen diese Arbeit.

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