Rotraut Freifrau von Stromer Reichenbach-Baumbauer

Burg Grünsburg © Rotraut Freifrau von Stromer Reichenbach-Baumbauer

2010 Silberne Halbkugel

Stromer’sche Kulturgut-, Denkmal- und NaturStiftung

Erlangen, Schloss Grünsberg

Es ist leider nicht selbstverständlich, dass ein umfangreiches denkmalgeschütztes bauliches Anwesen als Ganzes im Falle der Erbteilung für die Öffentlichkeit bewahrt bleibt. Rotraut von Stromer-Baumbauer ist es dank ihrer intensiven diplomatischen Bemühungen als Stiftungsadministratorin jedoch gelungen, Schloss Grünsberg in Altdorf/Mittelfranken vorbildlich zu erhalten. Nach über 250jährigem Besitz in der bedeutenden Patrizierfamilie Stromer von Reichenbach ist das Schloss in erstklassigem Erhaltungszustand nun für die Öffentlichkeit zugänglich geworden. Dort wird seit 2009 eine Bibliothek betrieben, es werden Lesungen gehalten und Führungen organisiert. Im Jahr 2010 finden allein 18 Großveranstaltungen wie z. B. Barockkonzerte statt.

Die außerordentlich bedeutende, im Kern spätmittelalterliche Burganlage des Schlosses Grünsberg befand sich 1999 nach 15jähriger finanzieller Überforderung der Eigentümer beim Bauunterhalt durch Hausschwamm, Teileinsturz und Vandalismus in einem kritischen Zustand. Außerdem bestand die Gefahr, dass der Familienbesitz zerschlagen und veräußert wird. Eine Situation, die viele Denkmäler nicht überdauern.

Nicht so dieses Anwesen. Rotraut von Stromer-Baumbauer bewegte die anderen Erben dazu, ihre jeweiligen Erbteile in die Stromer’sche Kulturgut-, Denkmal- und Naturstiftung einzubringen. Das waren der Ausgangspunkt und die finanzielle Basis für die Restaurierung in zwei Bauabschnitten von 2000 – 2009. Der Stiftungszweck sieht den uneingeschränkten Erhalt der Gesamtanlage einschließlich ihres wertvollen Inventars vor. Eine entscheidende Stärkung der Eigenmittel der Stiftung brachte die Veräußerung von neu ausgewiesenem Bauland.

Das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz würdigt das zivilgesellschaftliche und mäzenatische Engagement der Familie Stromer und besonders der Administratorin der Stromer’schen Stiftung, Rotraut von Stromer-Baumbauer. Der vorbildliche Erhalt, die öffentliche Zugänglichkeit und die Kulturprogramme auf Schloss Grünsberg verdienen die Verleihung der Silbernen Halbkugel.

Über Rotraut Freifrau Stromer von Reichenbach-Baumbauer
* 1953 in Erlangen, Studium der Biologie, verheiratet, 3 Kinder; seit 1988 als Klavierlehrerin tätig; Stadträtin der „Grünen Liste Erlangen“ von 1998 bis 2000; seit 08.09.1999 Administratorin der Stromer‘schen Kulturgut-, Denkmal- und NaturStiftung

Die Stiftung hat zur Aufgabe, Burg Grünsberg mit all ihrem seit Jahrhunderten für diese Lokalität gesammelten Inventar, ihren Nebengebäuden, ihrem barocken "Himmelgarten", ihrer barocken Sophienquelle, aber auch ihren naturnah gehaltenen Wäldern und Schluchten zu pflegen, zu erhalten und in einem dem Denkmal zuträglichen Ausmaß für Wissenschaft und Forschung, aber auch der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Ihre Arbeit ist rein ehrenamtlich.

Das kriegszerstörte Renaissance-Palas wurde in den Jahren 1997 bis 2009 grundlegend instand gesetzt, z.T. mit großen finanziellen und persönlichen Opfern der Administratorin. Seit 2006 steht ihr ein 60köpfiger Förderverein zur Seite.

Über Leihgaben ihrer Kulturgüter an bedeutende Ausstellungen zahlt die Stiftung ihre Dankesschuld für 60% Zuschüsse an der Sanierungsgesamtsumme von über 3 Mio Euro zurück, zuletzt für die Bayerische Landesausstellung "Bayern-Italien" und die Ausstellung "Mythos Burg" des Germanischen Nationalmuseums. Im Gegenzug erbittet sie die Restaurierung ihrer Leihgaben.

Dreimal bereits hat das Bayerische Fernsehen Kurzfilme auf Grünsberg gedreht, um einem größeren Publikum einen Blick in die Burg und das Leben mit einem Denkmal zu ermöglichen.

Um dem um die Burg gelegenen, naturnahen Wald eine Zukunft zu geben, schloss sich die Stiftung auf Drängen der Administratorin freiwillig dem Natura-2000-Projekt" der EU an, so dass der von den Vorfahren begonnene "sentimentale Landschaftsgarten" als solcher erhalten und von vielen Menschen weiter genossen werden kann.

Auszeichnungen
2002 Denkmalspreis des Bezirks Mittelfranken für die Restaurierung der barocken Fenster
2009 Bayerische Denkmalmedaille für die Gesamtsanierung von Burg Grünsberg

 

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